Exkursion nach Tharandt

Ein Tag zwischen Wetter, Wäldern und Wissensdurst

Am 3. September 2025 lud die Professur für Meteorologie der TU Dresden Mitglieder der DMG zu einer spannenden Exkursion nach Tharandt ein. Nach der herzlichen Begrüßung durch Dr. Valeri Goldberg und Dr. Astrid Ziemann im Namen von Prof. Matthias Mauder erhielten die Teilnehmenden eine anschauliche Einführung in die vielfältigen Lehr- und Forschungsbereiche der Professur – von der Oberflächen-Atmosphären-Wechselwirkung über Stadtklima, Modellierung und Simulation mit mikroskaligen Atmosphärenmodellen bis hin zu Boden- und Fernmessungen. Besonders beeindruckend: die verschiedenen Messstationen im langjährigen Monitoringbetrieb, eingebunden in internationale Netzwerke wie ICOS und FLUXNET, die als Grundlage für zahlreiche Forschungsprojekte und Lehrveranstaltungen dienen.
Heiko Prasse führte uns anschließend zur Klimastation in Tharandt, die in einem Kerbtal liegt und somit besondere meteorologische Eigenheiten aufweist, u.a. verringerte Windgeschwindigkeit, reduzierte solare Einstrahlung und die Bildung von Kaltluftseen. Ein kurzer Ausflug in die Geschichte: Erste Messungen in Tharandt datieren zurück bis 1868. Das Jahrhunderthochwasser am 13. August 2002 zerstörte das langjährige Messfeld. Im Jahr 2003 wurde es an der heutigen Stelle wieder aufgebaut.
Nach dieser Einstimmung brachte uns ein kurzer Busausflug zum Parkplatz Waldhäuser. Von dort ging es zu Fuß weiter zur Ankerstation Tharandter Wald. Die Professur Meteorologie der TU Dresden betreibt hier eine von insgesamt sechs Stationen zum Monitoring von Energie-, Wasser und Treibhausgasflüssen über unterschiedlichen Landnutzungen, darunter vier Messstationen im Rahmen des ICOS-D Ökosystemprogramms.
Zunächst erläuterten Markus Hehn und Heiko Prasse die Klimastation Wildacker – eine Lichtung im Wald, auf der seit 1959 kontinuierlich meteorologische Messungen stattfinden. Besonders spannend: Doppler-LiDAR und Ceilometer ermöglichen heute eine dreidimensionale Erfassung der Atmosphärenverhältnisse über dem Wald.
Direkt benachbart befindet sich das Ökologische Messfeld auf einem Hochflächenstandort in durchschnittlich 375 m Höhe über NN. In einem ca. 120-jährigen Fichtenmischbestand werden seit 1996 kontinuierlich u.a. der Kohlendioxid-Austausch zwischen Wald und Atmosphäre und die Verdunstung gemessen. Das ist die längste derartige Messzeitreihe Deutschlands. Zentraler Bestandteil der Messstation ist ein 40 m hoher Gittermessmast, der mit Eddy-Kovarianz-Messtechnik ausgestattet ist. Dr. Thomas Grünwald erläuterte hier anschaulich aktuelle Ergebnisse zur Kohlenstoff- und Wasserbilanz in Wäldern und über anderen Landschaften – ein Thema, das die Teilnehmenden offensichtlich fesselte, denn die anschließende Mittagspause in der Tharandter Spezialitätenmanufaktur wurde intensiv für angeregte Diskussionen genutzt.
Gut gestärkt führte die Exkursion weiter zum Kurort Hartha und dem Forstbotanischen Garten / Sächsischen Landesarboretum. Kustos Dr. Ulrich Pietzarka führte uns mit viel Enthusiasmus durch das Nordamerika-Quartier und erklärte, warum botanische Gärten wahre Alleskönner sind: Forschung, Lehre, Umweltbildung und Biodiversitätsschutz – alles vereint auf wenigen Hektar. Der Indian Summer ließ zwar noch auf sich warten, doch die Verbindung zwischen Klima, Wetter und Vegetation war schon jetzt unübersehbar.
Am Ende des Tages waren sich alle einig: Diese Exkursion war eine gelungene Mischung aus Wissenschaft, Natur und guter Gesellschaft. Neben neuen Erkenntnissen über Forst- und Grenzschichtmeteorologie nahmen alle auch jede Menge gute Gespräche und neue Kontakte mit nach Hause. Und vielleicht trifft man sich ja im nächsten Herbst wieder, um den Tharandter Wald im leuchtenden Indian Summer zu bestaunen.

von Astrid Ziemann und Valeri Goldberg