Kolloquium Sektion Norddeutschland


16.10.2018 – 16.30 Uhr

Deutscher Wetterdienst
Bernhard-Nocht-Straße 76
Raum 108
Hamburg

Kolloquium

Dieter Etling (Institut für Meteorologie und Klimatologie Leibniz Universität Hannover)

Mit dem Ballon zum Nordpol

Am 11. Juli 1897 starteten die Schweden Salomon August Andree, Knut Frenkel und Nils Strindberg mit einen Gasballon von Spitzbergen, um damit als erste den Nordpol zu erreichen. Die Ballonfahrt endete wegen technischer und meteorologischer Probleme bereits nach 3 Tagen am 14. Juli mit einer Notlandung auf dem Packeis. Zum Nordpol wären zu diesem Zeitpunkt noch etwa 780 km Luftlinie zurückzulegen gewesen. Trotz des Misserfolgs wurde diese Expedition in zahlreichen Publikationen beschrieben und diskutiert. Dies lag weniger an der erfolglosen Ballonfahrt als vielmehr an dem anschließenden Rückmarsch über das Packeis, der sich über knapp 3 Monate erstreckte und am 5. Oktober auf der Weißen Insel endete. Durch das späte Auffinden der verstorbenen Expeditionsteilnehmer und deren Tagebüchern im Jahr 1930 konnte der Verlauf der Expedition im Detail nachvollzogen werden (siehe z.B. S.A. Andree, 2008).

In diesem Vortrag soll die eigentliche Ballonfahrt unter meteorologischen Aspekten betrachtet werden. Dabei geht es zum einen um die Wetterbedingungen, die zum Abbruch der Ballonfahrt führten. Zum anderen wird die Frage diskutiert, ob zum damaligen Zeitpunkt der Nordpol auf Grund der vorherrschenden Luftströmungen prinzipiell mit der Ballonexpedition  erreichbar gewesen wäre. Zu diesem Zweck werden historische Wetterdaten und Wetterbeobachtungen während der Ballonfahrt ausgewertet und die synoptische Situation im Juli 1897 mit Hilfe von Reanalysedaten (20CR) dargestellt. Um die Schwierigkeiten der meteorologischen Navigation bei der Durchführung der Andree-Expedition im Jahr 1897 zu verdeutlichen wird dieser die erste erfolgreiche Fahrt mit einem Ballon zum Nordpol durch den Briten David Hempleman-Adams im Juni 2000 gegenübergestellt, die mit Hilfe modernster Ballontechnik und permanentem Wetterrouting durch ein Bodenteam erfolgte (D. Hempleman-Adams und R. Uhlig, 2001).

 

Literatur:

S.A. Andree: Dem Pol entgegen. Mit dem Ballon ins ewige Eis. 1930, Brockhaus Leipzig, Nachdruck 2008, Buchverlag König, 278 S.

Hempleman-Adams und R. Uhlig: Mit dem Wind zum Nordpol. 2001, Frederik und Thaler, 391 S.