FACHAUSSCHUSS
Geschichte der Meteorologie

Jubiläen 2015

zusammengestellt von  Cornelia Lüdecke (München)

Vor 475 Jahren (1540)

Bartholomäus Scultetus (Schultz) wurde am 14. Mai 1540 in Görlitz geboren (gest. 21. Juni 1614 ebenda). Studium in Leipzig und Wittenberg, wo er 1564 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie erwarb. Nachdem er einige Zeit Privatvorlesungen in Wittenberg gehalten hatte, wirkte er von 1570 bis 1586 als Lehrer am Gymnasium in seiner Heimatstadt Görlitz. 1578 wurde er Ratsherr, 1589 Stadtrichter und ab 1592 mehrfach Bürgermeister zu Görlitz. Er war auch als Mathematiker, Astronom und Chronist tätig. Schrieb u. a. „Prognosticon meteorographicum perpetuum. Ein ewigwerend Prognosticon von aller Witterung in der Lufft und den Wercken der andern Element“ (Görlitz 1572).

Vor 400 Jahren (1615)

Johannes Fabricius, deutscher Astronom (geb. am 8. Januar 1587 in Osteel bei Aurich als Sohn von David Fabricius, 1564–1617), starb 1615 in Marienhafe. Er „beobachtete 1611 […] mit einem Fernrohr Sonnenflecke und schloss aus deren Wanderung über die Sonnenscheibe auf die Rotation der Sonne“ (LdN, S. 137).

Vor 300 Jahren (1715)

William Dampier (geb. im Mai 1652 in East Coker, Somerset, England) starb im März 1715 in London. Er war Pirat und Entdecker, beschrieb 1697–1707 die Windsysteme der Weltmeere nach seinen Weltreisen (1673– 1691, 1699–1701, 1704–1711).

 Vor 275 Jahren (1740)

Christfried Kirch (geb. am 24. Dezember 1694 in Guben, Lausitz) starb am 9. März 1740 in Berlin, seit 1717 Astronom der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Er war Sohn von Gottfried Kirch (1639–1710) und Maria Margaretha geb. Winckelmann (1680– 1720). Zusammen mit seiner Schwester Christine (1696–1782) setzte er die von seinen Eltern bereits 1701 begonnenen meteorologischen Beobachtung fort. Die Daten liegen allerdings nur noch bruchstückhaft vor.

Louis Cotte wurde 1740 in Laon geboren (gest. 1815 in Montmorency b. Paris). Er war Professor der Theologie und Pfarrer in Montmorency, sowie Sammler und Bearbeiter meteorologischer Beobachtungen

Horace Bénédict de Saussure, schweizerischer Naturforscher, wurde am 17. Februar 1740 in Conches (heute zu Genf) geboren (gest. am 22. Januar 1799 in Genf). Ab 1772 Professor der Philosophie in Genf; „Erfinder meteorologischer Messinstrumente (Haarhygrometer u. a.), erforschte besonders die geologischen, klimatologischen und pflanzengeografischen Verhältnisse der Alpen; ihm gelang 1787 die zweite Besteigung des Montblanc, dessen Höhe er barometrisch feststellte und den er als höchsten Berg Europas bestimmte“ (WuK, S. 275).

Vor 250 Jahren (1765)

Johann Albert Eytelwein, deutscher Wasserbauingenieur, wurde am 1. Januar 1765 in Frankfurt a. M. geboren (gest. am 18. August 1849 in Berlin). Er leitete die Regulierung von Oder, Warthe Weichsel und Memel (Njemen)und schrieb bedeutende Werke u. a. zur Hydrostatik und Hydraulik.

Vor 225 Jahren (1790)

Der Wasserbauingenieur Reinhard Woltman(n) (1757–1837), Wasserbau-Direktor in Ritzebüttel und in Hamburg, erfand 1790 den nach ihm benannten Woltmann-Flügel (Woltmann-Zähler) zur Messung der Strömungsgeschwindigkeit von Flüssigkeiten.

Grens Journal der Physik (ab 1797 Annalen der Physik) wird 1790 in Leipzig ins Leben gerufen und ist damit eine der ältesten physikalischen Zeitschriften.

Benjamin Franklin (geb. 17. Januar 1706 bei Boston, Mass.) starb am 17. April 1790 Philadelphia (Pa.). Er war zunächst Buchdrucker, dann Zeitungsverleger, Politiker und Naturwissenschaftler. Insbesondere experimentierte ab 1746 mit der Elektrizität. Außerdem wies er durch Drachenversuche die elektrische Natur des Gewitters nach und erfand 1752 den Blitzableiter. Daneben führte er auch Untersuchungen zum Verlauf des Golfstroms durch und publizierte 1786 eine erste Karte davon.

Johann Jacob Hemmer (geb. am 13. Juni 1733 in Horbach, Pfalz) starb am 3. Mai 1790 in Mannheim. Er besuchte die Jesuitenschule in Köln und wurde 1760 erst kurpfälzischer Hofkaplan und 1776 Geistlicher Rat sowie Stiftsherr zu Heinsberg und Aufseher der kurfürstlichen Kunstkammer der Naturlehre zu Mannheim. Als Sekretär der 1780 vom Kurfürsten Karl Theodor (1724–1799) gestifteten Societas Meteorologica Palatina organisierte er die Wetterbeobachtungen der Mannheimer Gesellschaft.

 John Frederic Daniell, englischer Chemiker und Physiker, wurde am 12. März 1790 in London geboren (gest. am 13. März 1845 ebenda). Seit 1831 wirkte er als Professor der Chemie am King’s College in London). 1820 erfand er ein Hygrometer, das Taupunktoder Daniell-Hygrometer, und konstruierte 1830 ein Barometer mit Wasser als Barometerflüssigkeit. Aus seiner Feder stammen auch „Meteorological Essays and Observations“ (1823).

Karl Friedrich Wilhelm Dieterici wurde am 23. August 1790 in Jena geboren (gest. am Juli 1859 in Berlin). Er war Professor an der Universität zu Berlin und Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Als Direktor des kgl. Preußischen Statistischen Bureaus war er an der Gründung des mit diesem Bureau verbundenen kgl. Preußischen Meteorologischen Instituts beteiligt.

Vor 200 Jahren (1815)

Émilien Jean Renou, französischer Meteorologe, wurde am 8. März 1815 in Vendôme geboren (gest. am 6. April 1902). 1872 wurde er Direktor des Meteorologischen Observatoriums Parc Saint-Maur (1872). Seine Hauptarbeitsgebiete waren Statistische Meteorologie und Klimatologie, insbesondere das Klima von Paris.

Emile Plantamour, Schweizer Astronom, Meteorologe und Geodät, wurde am 14. Mai 1815 in Genf geboren (gest. 7. September 1882 ebenda). Seit 1839 arbeitete er als Professor für Astronomie und Direktor der Sternwarte zu Genf u.a. auch zur Klimatologie von Genf. (Du Climat de Genève. Genf 1863, Nouvelle études sur le Climat de Genève. Genf 1876).

 Ernst Erhard (Erhart) Schmid, deutscher Geologe und Meteorologe, wurde am 22. Mai 1815 in Hildburghausen (Thür.) geboren (gest. am 16. Februar 1885 in Jena). Er wurde 1840 an der Universität Jena zum Dr. phil. promoviert, dort erst zum Privatdozenten, dann zum a. o. Professor in der philosophischen Fakultät und 1843 schließlich o. Professor speziell für Mineralogie, bzw., seit 1856 Professor der Geologie. Er schrieb u. a. das „Lehrbuch der Meteorologie“ (Leipzig 1860) Neben Kämtz’ Lehrbuch (1831–36) war es das umfangreichste derartige Werk seiner Zeit. Gustav Hellmann (1854–1939) sieht es als abschließendes Lehrbuch vor der Epoche der dynamischen Meteorologie an.

Heinrich Geißler, deutscher Glasbläser und Instrumentenbauer, wurde am 26. Mai 1815 in Igelshieb (bei Meiningen) geboren (gest. am 24. Januar 1879 in Bonn). Er „gründete 1854 in Bonn eine Werkstätte für chemische, physikalische und meteorologische Geräte. 1868 Dr. h. c. der Universität Bonn; stellte unter anderem hervorragende meteorologische Messinstrumente (Thermometer, Barometer und Aräometer) her“ (LdN, S. 167).

Vor 175 Jahren (1840)

Der amerikanischer Meteorologe James Pollard Espy (1785–1860) veröffentlichte 1840 „The Philosophy of Storms“ mit einer Theorie der täglichen Periode der Windgeschwindigkeit.

Wilhelm Gotthelf Lohrmann, geb. am 31. Januar 1796 in Dresden, starb am 20. Februar 1840 ebenda. Er arbeitete zunächst als Kameralvermessungsinspektor zu Dresden und wurde 1827 Oberinspektor des Kgl. Mathematisch Physikalischen Salons. Dortrichtete er ein meteorologisches Observatorium und unter dessen Regie das aus zehn Stationen bestehendes sächsisches Beobachtungsnetz ein, welches mit einheitlichen Instrumenten und auf der Grundlage exakter Beobachtungsanleitung und -überprüfung genaue und vergleichbare Messwerte gewann. Das meteorologische Netz zerfiel nach Lohrmanns Tod; lediglich die Dresdner Beobachtungen wurden fortgesetzt.

Siméon Denis Poisson, französischer Mathematiker und Physiker (geb. am 21. Juni 1781 in Pithiviers), starb am 25. April 1840 in Paris, wo er als Professor und Mitglied des Längenbüros tätig war. Seine Arbeiten behandelten Themen aus der Thermodynamik, der Elastizität und der Wellenlehre, wobei ihn insbesondere Wasserwellen interessierten. Seine Name verbindet sich mit der Poisson-Gleichung, die Beziehung zwischen den Änderungen des Luftdrucks und der Temperatur bei adiabatischen Prozessen in trockener Luft.

William Clement Ley wurde am 6. Juli 1840 in Bristol geboren (gest. 22. April 1896 in London). Er wurde Reverend und Mitarbeiter des Meteorologischen Dienstes. Im Hinblick auf die Wettervorhersage betrieb er Wolkenstudien mit besonderen Interesse für die Cirruswolken.

Julius Ziegler wurde am 25. Oktober 1840 geboren (gest. am 15. November 1902). Zusammen mit Walter König (1859–1936) schrieb er „Das Klima in Frankfurt am Main“ (1896, Nachträge 1901 und 1910).

Vor 150 Jahren (1865)

Thomas Stevenson (1818–1887) machte 1865 den Vorschlag der Aufstellung einer (englischen) Hütte (Stevenson screen) zum Schutz der meteorologischen Instrumente gegen Hitzeeinstrahlung und Niederschlag

Heinrich Ludwig Rudolf Fuess (1838–1917) gründete im Jahr 1865 seine Optisch-Feinmechanischen Werkstätten, sie 1892 ihren Sitz nach Berlin-Steglitz verlegten. In enger Zusammenarbeit mit den seinerzeit führenden Meteorologen wurde etwa ab 1877 die Entwicklung und Fertigung weltweit begehrter meteorologischer Geräte aufgenommen. Die Firma, die bis in die 1950er Jahre bestand, führte nach dem Tod des Gründers dessen Sohn Paul Fuess (1867–1944) weiter.

Karl Heinrich Alexander Holtzmann (geb. am 23. Oktober 1811 in Karlsruhe) starb am April 1865 in Stuttgart). Seit 1851 war er Professor für Physik und Mechanik an der polytechnischen Schule in Stuttgart. Unter seinen zum größten Teil in Poggendorff’s Annalen publizierten physikalischen Arbeiten befindet sich auch die 1844 publizierte Abhandlung „Ueber die Wärme und Elasticität der Gase und Dämpfe“.

Robert Fitzroy, britischer Marineoffizier und Meteorologe (geb. am 5. Juli 1805 in Ampton Hall, Suffolk), starb (Selbstmord) am 30. April 1865 in Lyndhurst House (b. Norwood). Als Absolvent der Royal Naval Academy in Portsmouth brach er 1831 mit der „HMS Beagle“ zu einer fünfjährigen Forschungsreise auf, wobei ihn u. a. Charles Darwin (1809–1882) begleitete. „Von 1843 bis 1845 war Fitzroy Gouverneur von Neuseeland. Nach dem Rückzug aus dem Marinedienst 1850 widmete er sich seinen wissenschaftlichen Interessen. 1854 wurde er Leiter des meteorologischen Büros des britischen Handelsministeriums und entwickelte mehrere Barometertypen. Er nutzte das neue Telegraphensystem, um Wetterdaten aus ganz England zu sammeln, und fertigte synoptische Karten an. Seine Wettervorhersagen erschienen ab 1860 in der Times. Daneben etablierte er ab 1861 das britische Sturmwarnsystem. Für seine Verdienste wurde er zum Admiral ernannt“ (WuK, S. 99).

Johann Franz Encke (geb. am 23. September 1791 in Hamburg) starb am 26. August 1865 in Spandau (heute zu Berlin). Er studierte u. a. bei Carl Friedrich Gauß (1777–1855) und wurde zum Dr. phil. promoviert. Dann hatte er eine Stelle als Astronom auf der Sternwarte Seeberg bei Gotha (1816–1825), dann wurde er Direktor derjenigen zu Berlin (1825–1863) und Mitglied und Sekretär der dortigen Akademie der Wissenschaften. 1844 zum Professor der Astronomie ernannt, bestimmte er die Bahnen von Planetoiden und Kometen. Zu seinen Schülern zählte Carl Christian Bruhns (1830–1881), der als Direktor der Leipziger Universitätssternwarte viel für die Meteorologie getan hat.

Erich Dagobert von Drygalski, deutscher Geograph und Geophysiker, wurde am 9. Februar 1865 in Königsberg (Preußen) geboren (gest. am 10. Januar 1949 in München). Er leitete 1891 und 1892/93 die Expeditionen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin nach Westgrönland, um dort die Bewegung des Inlandeises und der lokalen Gletscher zu untersuchen. Mit seinen Ergebnissen erhielt er 1899 ein Extraordinariat für Geographie und Geophysik in Berlin. 1901– 1903 leitete Drygalski die erste deutsche Südpolarexpedition mit dem ersten Polarforschungsschiff „Gauß“, deren reiche Ergebnisse in 20 Bänden und 2 Atlanten (1905–1931) veröffentlicht wurden. Von 1906 bis 1935 war er Professor und erster Lehrstuhlinhaber des Geographischen Instituts der Universität in München.

Sven Hedin, schwedischer Naturforscher und Forschungsreisender, wurde am 19. Februar 1865 in Stockholm geboren (gest. am 26. November 1952 ebenda). Wie Drygalski war auch er ein Schüler von Ferdinand Frhr. von Richthofen (1833–1905) und einer der letzten Landerforscher in der Entdeckungsgeschichte, wobei sein Interesse besonders dem asiatischen Raum galt. U.a. leitete er 1927–1935 eine internationale Expeditionsgruppe u. a. mit Meteorologen und Topographen in die Mongolei, nach Chinesisch-Turkestan und die Wüste Gobi.

Carl Wilhelm Max Dorno, deutscher Physiker und Biometeorologe, wurde am 3. August 1865 in Königsberg (Preußen) geboren (gest. am 22. April 1942 in Davos, Schweiz). Er

„gründete 1906 das Physikalisch-Meteorologische Observatorium in Davos und trug durch seine Forschungen, v. a. über Strahlungsklimatik und Wärmehaushalt, wesentlich zur Entwicklung der exakten Bioklimatologie bei; er konstruierte für sie wichtige Messgeräe (u.a.  das Frigorimeter) und führte neue Untersuchungsmethoden ein.“ (WuK, S. 72). Eine Zeitlang wurde der biologisch wirksamste Spektralanteil de UV-Strahlung, das UV-B, nach ihm benannt („Dorno-Strahlung“).

Vor 125 Jahren (1890)

Eduard Brückners (1862–1927) Werk „Klimaschwankungen seit 1700“ erschien 1890 in Wien und Olmütz.

James Croll, schottischer Naturforscher und Geologe bei der Geologischen Landesaufnahme von Schottland.(geb. am 2. Januar 1821 in Cargill b. Perth), starb am 15.Dezember 1890 in Perth (Schottland). Weit vor Milutin Milanković (1879–1958) begründete er die Lehre von den geologischen Klimaten durch die säkularen Veränderungen der Erdbahn.

Karl Wilhelm Gallenkamp (geb. am 3. Dezember 1820 in Lippstadt) starb am 11. Mai 1890 in Berlin. Er war ab 1861 Rektor der Friedrich-Werderschen Oberrealschule in Berlin. Er entwickelte den nach ihm benannten Verdunstungsmesser.

Christoph Heinrich Dietrich Buys-Ballot war niederländischer Meteorologe (geb. am 10. Oktober 1817 in Kloetinge, Südbeveland) war ab 1847 Professor der Mathematik in Utrecht und von 1854 bis 1887 Direktor des von ihm begründeten Wetterdienstes der Niederlande. Er untersuchte – wie bereits Brandes und Dove vor ihm – „den Zusammenhang zwischen Luftdruck und Wind und wies das barische Windgesetz als allgemeingültig nach. Daraus folgerte er schließlich die nach ihm benannte Regel. Ab 1860 baute Buys-Ballot das erste europäische Sturmwarnsystem auf. [Er] war auch beim Aufbau der Internationalen Meteorologischen Organisation federführend beteiligt“ (WuK, S. 53). Er starb am 3. Februar 1890 in Utrecht.

Vor 100 Jahren (1915)

Julius Ritter von Payer, österreichischer Offizier und Naturforscher (geb. am 2. September 1841 in Schönau bei Teplitz [Teplice Lázné]), starb am 30. August 1915 in Veldes. Er nahm an mehreren Nordpolarexpeditionen teil. Zusammen mit Karl Weyprecht (1838– 1881) leitete er von 1872 bis 1874 die österreichisch-ungarische Polarexpedition zur Erkundung der Nordostpassage. In späteren Jahren widmete sich von Payer der Malerei, wobei er besonders Ereignisse seiner Arktisfahrten darstellte, die 1996 im Heeresgeschichtliche Museum in Wien ausgestellt wurden.

Erich Etienne wurde am 24. Februar 1915 in Leipzig geboren (gefallen Ende Juli 1942 in Spitzbergen). Er studierte in England (Exeter, Oxford) und an der Universität Leipzig und nahm an mehreren Grönlandexpeditionen der Universität Oxford teil. Mit einem ausführlichen Bericht über die meteorologisch-geophysikalischen Forschungsergebnisse der 1938er-Expedition (1940 als Band 13 der „Veröffentlichungen des Geophysikalischen Instituts der Universität Leipzig, Zweite Serie“ herausgegeben) wurde er 1939 unter Ludwig Weickmann (1882–1961) promoviert. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges kam er 1940 als Flugmeteorologe nach Nordnorwegen. Von einem am 23. Juli 1942 angetretenen Wettererkundungsund Aufklärungsflug über Spitzbergen kehrte er nicht mehr zurück.

Helmut K. Weickmann wurde am 10. März 1915 in München (als Sohn von Ludwig Weickmann, 1882–1961) geboren (gest. am 9. Februar 1992 in Boulder, Colorado, USA). Er war einer der führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Wolkenphysik. Studium bei Franz Linke (1878–1944) in Frankfurt, 1939 Promotion, danach u. a. Forschungen zur Entstehung, zum Vorkommen und zum Wachstum der Eisphase in der Atmosphäre. Erstmals wurden Cirruswolken durch Flugzeugmessungen systematisch untersucht. Nach dem 2. Weltkrieg war leitete er das Observatorium auf dem Hohenpeißenberg. 1949 ging er aufgrund eines Angebotes der Amerikaner in die Vereinigten Staaten. Bis zum Jahre 1965 war er für die Engineering Laboratories des U. S. Army Signal Corps in Fort Monmouth, N. J., tätig und anschließendals Direktor des Atmospheric Physics and Chemistry Laboratory der NOAA in Boulder, Colorado. Für seine herausragenden Forschungsarbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit der Ehrendoktorwürde der Universität Clermont-Ferrand. Als Präsident der International Commission on Cloud Physics setzte er sich für die Verbreitung der Erkenntnisse und für eine verbesserte internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet ein.

Herbert Riehl, amerikanischer Meteorologe deutscher Herkunft, wurde am 30. März 1915 in München geboren (gest. am 1. Juni 1997 in Denver, Colorado). 1960–1972 war er Professor in Fort Collins (Colo.), 1972–1976 an der FU Berlin und 1976–1979 in Boulder (Colo.):; Riehl klärte die Entstehungsursache von Easterly Waves und Hurrikans und entdeckte die Bedeutung tropischer Cumulonimben für die Zirkulation der Atmosphäre“ (WuK, S. 269f.).

Karlheinz Hinkelmann wurde am 16. April 1915 in Geringswalde (Sachsen) geboren (gest. am 14. Mai 1986 in Obertshausen). Von 1967 bis 1980 war er Hochschullehrer an der Universität Mainz. Seine Spezialgebiete waren theoretische Meteorologie, atmosphärische Zirkulationsmodelle, numerische Wettervorhersagemodelle und Thermodynamik. 1971 erhielt er die Alfred-Wegener-Medaille der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft e. V. in Anerkennung seiner Verdienste um die Numerische Wettervorhersage, deren Entwicklung er durch die erstmalige Verwendung der „primitiven“ Grundgleichungen der klassischen Physik entscheidend gefördert hat.

Walter Hesse wurde am 6. August 1915 in Werdau geboren (gest. am 23. Dezember 1979 in Leipzig). 1939 – 1942 studierte er Meteorologie an der Universität Leipzig unter Ludwig Weickmann (1882–1961), 1943 wurde er promoviert. 1945 bekam er am Geophysikalischen Institut in Leipzig eine wissenschaftliche Assistent, wurde 1951 Oberassistent und widmete seine ganze Kraft dem Wiederaufbau des Instituts. 1951/52 fertigte er seine Habilitationsschrift. Als die Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Universität Leipzig 1954 ein Institut für Agrarmeteorologie einrichtete, ernannte sie den schon 1953 zum Professor für Agrarmeteorologie und Umweltschutz berufenen Hesse zu dessen Direktor, wobei dieser gleichzeitig in leitender Funktion am Geophysikalischen Institut bis zum Amtsantritt von SchneiderCarius (1896–1959) im Jahr 1955 verblieb. Als Folge der 3. Hochschulreform wurde auch das Institut für Agrarmeteorologie ersatzlos aufgelöst (1969). Hesse war danach Arbeitsbereichsleiter der Fachgruppe Tierhygiene der Sektion Tierproduktion und Veterinärmedizin. Hesse war Herausgeber des bereits unter Max Robitzsch (1887–1952) begonnenen „Handbuchs der Aerologie“

Vor 75 Jahren (1940)

Sergej Petrowitsch Chromows „Einführung in die synoptische Wetteranalyse“ erschien 1940 bei Springer in Wien. Es umfasst 532 Seiten und 250 Abbildungen.

Willi (Wilhelm) Ule, deutscher Limnologe und Geograph (geb. am 9. Mai 1861 in Halle/ Saale), starb am 13. Februar 1940 in Rostock. Er wurde 1888 in Halle promoviert und 1907 zum a. o. Professor an der Universität Rostock berufen. 1911 nahm er am ersten Fahrtabschnitt von Filchners Deutschen Antarktischen Expedition von Bremerhaven bis Brasilien teil. Ule hinterließ ein breit gefächertes Schrifttum und wirkte auch als Herausgeber mehrerer Zeitschriften. Er gilt als Begründer der Landeskunde von Mecklenburg.

Wladimir Peter Köppen, Meteorologe und Klimatologe (geb. am 25. September 1846 in St. Petersburg), starb am 22. Juni (a. Qu. 1. Juli) 1940 in Graz. Er studierte in Petersburg und Heidelberg und wurde 1870 in Leipzig promoviert. Von 1875 bis 1919 war er Leiter der meteorologischen Abteilung der Seewarte Hamburg; lebte danach mit der Familie seines Schwiegersohnes, Alfred Wegener (1880–1930) in Graz. Köppen gilt als Begründer der maritimen Meteorologie. Er schuf die nach ihm benannte (vegetationsorientierte) Klimaklassifikation und verfasste mit seinem Schwiegersohn die „Klimate der geologischen Vorzeit“ und gab ab 1930 mit Rudolf Geiger (1894–1981) das mehrbändige „Handbuch der Klimatologie“ heraus.

Robert Emden, Schweizer Physiker, Astrophysiker und Meteorologe (geb. am 4. März 1862 in St. Gallen, Schweiz), starb am 8. Oktober 1940 in Zürich. Er war ab 1907 Professor für Physik und Meteorologie an der Technischen Hochschule, ab 1928 an der Universität München und ab 1934 in Zürich. Neben der Thermodynamik beschäftigte er sich mit Fragestellungen der Luftfahrt-Navigation und der Photogrammetrie wie z.B. Aufnahmen der Alpen vom Freiballon aus. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Gaskugeln: Anwendungen der mechanischen Wärmetheorie auf kosmologische und meteorologische Probleme“ (Leipzig; Berlin: Teubner, 1907) und „Grundlagen der Ballonführung“ (Leipzig; Berlin: Teubner, 1910).

Hartmut Graßl, deutscher Physiker, wurde 18. März 1940 in Salzberg (heute zu Berchtesgaden) geboren. Seit 1989 war er Direktor des Max-Planck-Institutes für Meteorologie inHamburg und 1994 bis 1999 Direktor des World Climate Research Programme bei der WMO. Seine Arbeiten behandeln v. a. das Problem des Klimaeinflusses von Aerosolteilchen und Wolken sowie die Erdbeobachtung mit Satelliten (nach WuK, S. 127).

Vor 50 Jahren (1965)

Infolge eines tropischen Wirbelsturms rasten 1965 gewaltige Wellen in einer Breite von 200 km über das Gangesdelta hinweg. Dabei kamen 2000 (nach einigen Quellen sogar 12000) Menschen ums Leben.

George Clarke Simpson (geb. 2. September 1878 in Derby, England) starb 1. Januar 1965. Er war Mitarbeiter des Meteorologischen Dienstes von Indien und später Direktor des Meteorologischen Dienstes von England. 1910–12 nahm er an Robert Falcon Scotts (1868-1912) zweiten der Britischen Antarktis-Expedition teil. Seine Spezialgebiete waren Luftelektrizität und Strahlungskunde.

Rudolf Seeliger, deutscher Physiker (geb. am 12. November 1886 in München),  starb Januar 1965 in Greifswald. „1918–55 Professor in Greifswald; Arbeiten über Gasentladungen […] und Plasmen, über die physikalischen Vorgänge in der Ionosphäre sowie bei der Elektroentstaubung“ (WuK, S. 279f.).

Vor 25 Jahren (1990)

Der Wintersturm „Wiebke“ war „ein Orkan, der am 29. Februar und 1. März 1990 über Deutschland und Teile Österreichs und der Schweiz hinwegzog. Er gehört zu einer ganzen Reihe von Orkantiefs, die im Winter 1990 Europa trafen. Die Windgeschwindigkeiten bei Wiebke erreichten 200 km/h, in Böen bis 280 km/h. Insbesondere in Mittelgebirgslagen knickten zahlreiche Bäume um; man schätzt das angefallene Sturmholz auf 60 bis 70 Millionen Festmeter. Mindestens 25 Menschen kamen durch Wiebke ums Leben“ (WuK, S. 358). Der volkswirtschaftliche Schaden in Europa wird auf 2250 Millionen US-$ geschätzt (WuK, S. 232).

Evert Marie Bruins, niederländischer Physiker und Mathematiker (geb. am 4. Januar 1909 in Woudrichem, Prov. Nordbrabant), starb im Jahr 1990. Er „beschrieb bereits 1938 theoretisch den dann 1958 von J. A. Van Allen entdeckten und heute nach diesem benannten Strahlungsgürtel der Erde“ (WuK, S. 53).

Quellen

 LdN = Lexikon der Naturwissenschaftler. Heidelberg, Berlin Spektrum Akademischer Verl. 2000. 505 S.

WuK = Der Brockhaus. Wetter und Klima. Phänomene, Vorhersage, Klimawandel. Mannheim, Leipzig: F. A. Brockhaus 2009. 382 S.