Berlin, die Wiege der Stratosphärenforschung

Prof. Dr. Karin Labitzke

Institut für Meteorologie, Freie Universität Berlin

Vor 100  Jahren, im Mai 1902, wurde die Entdeckung der Stratosphäre von R. Assmann und L. P. Teisserenc de Bort  gleichzeitig bekanntgegeben. Zuvor hatten R. Süring und A. Berson am 31. Juli 1901 in einem bemannten Ballonaufstieg, der bis in eine Höhe von fast 11000 m aufstieg, den Beweis erbracht, dass die mittels Registierballonaufstiegen durchgeführten Messungen tatsächlich reelle Werte ermittelten.
          1908 entdeckte A. Berson auf einer mühsamen Expedition am Viktoriasee in Kenia Westwinde über dem Äquator in 20 km Höhe, mit gleichzeitig extrem niedrigen Temperaturen. Die Existenz der Westwinde über dem Äquator blieb noch lange umstritten, da sie nicht in die theoretischen Konzepte passten und die QBO (Quasi Biennial Oscillation) wurde erst Ende der 50er Jahre entdeckt. 
          Vor 50 Jahren, im Februar 1952, entdeckte dann R. Scherhag mit modernen Radiosonden in Berlin das sogenannte “Berliner Phänomen”, eine plötzliche Erwärmung der Stratosphäre von niedrigen Wintertemperaturen auf  Werte, die weit höher lagen als die Werte des Sommers.
Heute wissen wir, dass dieses Phänomen hemisphärische Ausmaße hat und die gesamte Mittlere Atmosphäre von 10 bis 90 km Höhe erfasst. Auf seine Bedeutung für das Verständnis des sehr variablen Klimas der arktischen Stratosphäre und damit für die Ozonproblematik wird ausführlich eingegangen.