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Publikationen
Meteorologischer Kalender 2002
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Titel
Windflüchter
Foto: R.K. Pilsbury, Headon Warren, Totland, auf der Isle
of Wight, England
In exponierten Gegenden wie Hochländern, Klippen und Steilhängen
tendieren Bäume und Büsche dazu, sich an den Hang zu
schmiegen, wobei sich eine Seite stark entwickelt, die andere Seite
dagegen nur geringfügig wächst. Das Wachstum ist mit
dem Wind erheblich größer als gegen den Wind, und somit
zeigen Pflanzen oft den vorherrschenden Wind an. Über die
windzugewandten Hänge und Klippen wird Luft angehoben und
beschleunigt. Entlang der Klippenränder teilt sich die Strömung
oftmals, wobei in der Nähe der Oberfläche Wirbel entstehen
und die Luft vergleichsweise gleichmäßig über die
oberen Aste der Bäume und Büsche weht. Dies lässt
die Pflanzen bevorzugt mit dem Wind wachsen, und ihre oberen Teile
werden stromlinenförmig.
Bäume und Sträucher in freien Lagen bleiben oft kleiner als ihre
Gegenstücke in geschützten Plätzen. Der ständige Angriff
starken Windes behindert das Wachstum. An sehr exponierten Stellen können
die Bedingungen so rau werden, dass nichts mehr wächst. |
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Januar
Schneewehen
Foto: Stefan Kämpfe, Schöndorf
bei Weimar, 29.3.1995
Zwar sieht die Schneedecke mit den
Schneewehen durch die tiefstehende Abendsonne angeleuchtet relativ
harmlos aus, jedoch weht ein scharfer und kalter (-2°C) Wind aus Nordwest, der auf diesem freien Felde
den Schnee hinter einem etwas erhöhten Weg zu ausgeprägten
Wehen zusammengeschoben hat. Die Fußstapfen zeigen, dass der
Schnee auch im Bereich der Wehe nicht höher als vielleicht 30
cm lag.
Im Jahre 1995 gab es in Ostdeutschland noch Ende März gebietsweise erhebliche
Schneemengen. So lag der Schnee am 30.3.1995, morgens, in Weimar 9, in Berlin
12 cm hoch. Dabei war die Temperatur in Thüringen verbreitet auf –5
bis –7°C gefallen. Vergleichbare Werte gab es im Jahre 2001, als
am 26.3. in Weimar 5 cm Schnee lag, in Berlin sogar 12 bis 15 cm. In der Folgenacht
zum 27.3.2001 sank die Temperatur in Ostdeutschland verbreitet auf –7
bis –10°C. |
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Februar
Sturm
Foto: Bernhard Mühr, Ile d’Ouessant,
Bretagne, 18. Februar 1997, 17 Uhr, Blick nach Nordwest
Die
Spitze dieser westlichsten Insel Frankreichs steht tatsächlich
wie ein Fels in der Brandung. An diesem Tag zog ein riesiges Orkantief,
das nahezu den gesamten Nordatlantik überdeckte, von Südgrönland
nach Island. Sein sehr gleichmäßiges Sturm- und Orkanfeld überzog
nahezu den ganzen Nordatlantik zwischen Neufundland und Westeuropa,
so dass eine sehr lange Dünung entstand, die zusammen mit
dem Sturm auch auf die Bretagne traf.
Wellen von etwa 10 Meter Höhe laufen mit so großer Gewalt an die
Küste, dass sie sich brechen und an dem Felsen bis zu 20 Meter hoch aufschäumen.
Diese Höhe kann man an der kleinen Brücke abschätzen, wenn man
annimmt, dass der Handlauf etwa 120 cm über dem Brückenboden verläuft.
Immerhin spritzt die höchste Gischt noch fast 5 Meter über die Spitze
des Felsens hinaus. |
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März
Föhnwolken, Alpen
Foto: Helga
Behr, Blick vom Gornergrat in etwa 3000 m Höhe
nach Osten bis Nordosten Richtung Mischabel-Hörner,
6. März 1996
Wie feine Engelsschwingen liegen durchsichtige
Wogenwolken über
einer dicken Föhnwolke. Dies zeigt, dass bei einer schwachen
Südföhnlage im Bereich der höchsten Berge der Alpen
(Gipfelhöhen zwischen 4000 m und 4500 m) die Feuchtigkeit
in verschiedenen Niveaus zu Wolkentröpfchen – in den
durchsichtigen Wolken zu Eiskristallen - kondensiert. Da die Berge
als Hindernis überströmt werden, bilden sich hinter ihnen
Wellen, in deren Aufwindbereich die Wolken entstehen, die sich
dabei ständig verändern, jedoch immer an derselben Stelle
verharren. Die unterschiedlich „dicken“ Wolken zeigen
jeweils an, dass viel (bei großen) oder weniger Feuchtigkeit
in der betreffenden Luftschicht anzutreffen ist. |
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April
Mammatus-Gewitterwolken
Foto: Hannelore Quandt, 4. April 2001, 18.45 MESZ, Berlin-Mitte
Nicht
nur Blitz und Donner, sondern auch spektakuläre Wolken,
die von der Abendsonne beleuchtet wurden, veranlassten viele Berliner,
zum Fotoapparat zu greifen. Einem Aufruf unserer Meteorologie-Studenten
in zwei großen Berliner Zeitungen folgend, meldeten sich
mehr als 40 (vierzig!) Personen, die die Wolken fotografiert
hatten. (Hierzu: http://www.wetter99.de) Eine von Westen herannahende
markante Kaltfront sorgte in Verbindung mit vorderseitigem Warmlufteinschub
für die Bildung kräftiger Gewitterzellen, die am frühen
Abend den gesamten Nordosten Deutschlands erfassten. Im Süden
Berlins wurden dabei Mammatuswolken von seltener Ausprägung
beobachtet. Des weiteren traten verbreitet Hagelschlag und Sturmböen
auf, in der Umgebung Berlins erreichten die Korngrößen
knapp 2 cm. Das Blitzortungssystem "Blids" registrierte mehr
als 5000 Blitze in zwei Stunden. |
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Mai
Turbulenter Cirrus-Aufzug
Foto: Joachim Hummel, 25.6.1987, Freiburg/ Br.
Man
könnte meinen, der Cirrus sei „schlecht gekämmt“,
so gleichartig verwehen die aus einem Schauer herauslaufenden hohen
Wolken. Sie sind im Bereich eines sich von Westen nähernden
Frontensystems entstanden, nachdem es an diesem Tag in Freiburg
mit 24°C für die Jahreszeit warm geworden war. Offenbar
wird der Wind mit zunehmender Höhe rasch stärker, so
dass die aufquellenden Schauerwolken regelrecht zerrissen werden.
Diese „Windscherungen“ (= Windänderungen) sind
in den verschiedenen Schichten, in denen der Cirrus erscheint,
horizontal gleichartig. Daher wird die oberste Schicht relativ
langsam verweht (sie bleibt zurück), die Schicht darunter
zieht wesentlich rascher und schert nach rechts aus, während
die unterste Schicht, die kompakt und uniform erscheint, wiederum
erheblich zurückbleibt – hier weht der vergleichsweise
schwächste Wind.
Mit der Beobachtung solcher Wolken kann man recht gut auf die
Windverteilung in der Atmosphäre schließen; bis in die 1960er Jahre wurde auch
in den Wetterbeobachtungen die Zugrichtung und eine Schätzung der Geschwindigkeit
der Cirren angegeben – dies kann heute durch Radiosonden, aber auch
mit Hilfe von Satelliten viel genauer geschehen. |
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Juni
Staubteufelchen
Foto Bernhard Mühr,
Argentinen, Pampa, 29.9.1995
Die klare und trockene Luft
der weiten Pampa-Flächen hat
sich durch Sonneneinstrahlung stark erwärmt. Dabei sind die
untersten 10 Meter der Atmosphäre so warm geworden, dass die
Temperaturabnahme mit der Höhe in diesen wenigen Metern mehr
als 10 Grad beträgt – normalerweise liegt der Temperaturrückgang
bei nur 1 bis 2 Grad. Durch diese Überhitzung der Luft lösen
sich sehr rasch aufsteigende (bis zu 10 m/s) Warmluftblasen mit
einem Durchmesser von 10 bis 100 m ab, die mit dem herrschenden
Wind verfrachtet werden. Wenn solche Warmluftblasen in ihrem Anfangsstadium
auf kleine Hindernisse (Büsche, kleine Erdhügel) treffen,
wird ihre Bewegung an einer Seite etwas abgelenkt. Dies kann der
Anfang für eine kleinräumige Verwirbelung der Luft sein,
die bei der Heftigkeit der Ablösung Staub und Schutt bis zu
50, manchmal auch 100 m Höhe in die Luft trägt. |
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Juli
Böenkragen eines Sommergewitters
Foto: Gisela Hartjenstein
Segelflugplatz Steinrücken bei Coburg, Mitteldeutschland,
2.8.2000, 10.00 MESZ
Dramatisch ist der Anblick des aufziehenden
Gewitters mit seinem Böenkragen. Man sieht deutlich die sich verwirbelnde dunkle
und tiefhängende Wolkenwalze. Hinter der Böenwalze ist
das Grau des Regenvorhanges zu erkennen, der dem Böenkragen
folgt. Bei der Annäherung des Unwetters wurden Blitze beobachtet,
jedoch nicht mehr beim Durchzug am Flugplatz. Den Höhepunkt
ihrer konvektiven Aktivität scheint die Wolke demnach kurz
zuvor erreicht zu haben. Die nahe gelegene Wetterstation Coburg
meldete eine Spitzenbö von 17 m/s (Beaufort 8) und anschließend
innerhalb einer Stunde eine Regenmenge von lediglich 6,7 l/m².
Bemerkenswert ist die schichtenweise Anordnung der Wolken oberhalb
des Böenkragens.
Hierbei handelt es sich um Wolkenbildung in der Luft vor der Front, die durch
die herannahende Böenwalze angehoben wurde. Ihre glatte, wellenartige
Struktur deutet darauf hin, dass diese Luft thermisch stabil (also ohne Tendenz
zum Aufsteigen) geschichtet war, jedoch Schichten unterschiedlicher Feuchte
enthielt. Die Hebung und die daraus folgende Kondensation der Feuchtigkeit
macht die unterschiedlich feuchten Schichten sichtbar. |
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August
Dünenglühen
Foto: Richard
Simonis, Ubari-Dünen bei Alfejej/ Libyen,
25.12.1998
Erstaunlich scharf begrenzt steht über dem unversandeten
Adjdal-Tal der rund 150 m hohe Südrand des Dünenmeeres
des Idhan Awbari (Erg Ubari). In dieser am Wendekreis liegenden
Wüste werden riesige Sandmengen vom Nordostpassat und dem
aus Südwest wehenden Harmattan (Ghibli) so hin und her bewegt,
dass die in ihr liegenden Mandara-Seen ständig ihre Lage und
Gestalt ändern. Nachdem es im Kampf mit den äolischen
(= Wind) Gestaltungskräften der Natur nicht gelungen war,
das Gebiet in das Straßen- und Stromnetz Libyens einzubinden,
wurden die Wüstenbewohner in das Adjaltal umgesiedelt. An
ihrer Stelle stürmen jetzt Offroad-Touristen die Rampen der „Einstiegsdünen“ hinauf,
um in dem dahinter sich ausdehnenden Sandmeer ihre schnell verwehenden
Spuren zu ziehen. |
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September
Windmühle in Öland,
Schweden
Foto: Ekkehard Steinborn, 19.9.1979, 20 MESZ
Beschauliche
Ruhe geht von diesem Bild aus – offenbar ist
es nahezu windstill. Der Blick geht nach Nordwesten, wo die Sonne
vor kurzem untergegangen ist. Die hohen Cirren und einige der mittelhohen
Altocumulus-Wolken sind noch sonnenbeschienen und sorgen somit
für eine freundliche Abendstimmung.
Im Bereich eines umfangreichen Tiefdrucksystems, das nahezu ganz
Nord- und Mitteleuropa überdeckt, reichen diese Wolkenfelder gerade bis nach Südschweden,
wo es in Visby (Gotland, benachbarte Insel) an diesem Tag mit Höchstwerten
der Temperatur um 15°C und nächtlichen Minima um 8°C schon herbstlich
kühl geworden ist. |
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Oktober
Föhnwolken
Foto: David Monteith, Moray Firth, Schottland, 1.9.1999,
20.30 MESZ
Föhnwolken bilden sich an der Leeseite von Gebirgsbarrieren
in regelmäßig angeordneten Bändern. Wegen der unterschiedlichen
horizontalen Feuchtigkeitsverteilung erscheinen sie manchmal in
Schichten, die wie Tellerstapel aussehen, wie in diesem Beispiel über
Ostschottland. Diese Wolken entstanden in einer gut ausgeprägten
südwestlichen Strömung über den nördlichen
Highlands. Die feuchte Schicht, die jeden einzelnen „Teller“ anhebt,
ist nur flach, und die Wellenhöhe ist demnach beschränkt.
Daher stellt jeder Stapel eine Serie von flachen, umgedrehten Tellern
dar. Streiflicht von der untergehenden Sonne erfasst gerade noch
den Rand eines jeden „Tellers“, ihr Boden bleibt im
Schatten. Sie erinnern recht genau an ein Gemälde einer „außerordentlichen
Wolke“ von Piazzi Smyth (1881), dem Königlichen Schottischen
Astronomen, das in seinem Buch „Madeira Meteorologic“ (David
Douglas, Edinburgh, 1882) publiziert ist. |
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November
Windpark in Südostdeutschland
Foto:
Monika Nitzsche, 20.2.2001, Klettwitz, Lausitz (Süd-Brandenburg)
„Wind, Wind, dreh’ uns geschwind...“ schreibt
die Fotografin zu diesem Bild. Dies ist die derzeit (2001) leistungsstärkste
Windkraftanlage zumindest in Deutschland, die offiziell im Juni
2000 ihren Betrieb aufnahm. Die 38 Windkrafträder sollen eine
jährliche Gesamtleistung von 110.000 Megawattstunden erzeugen;
dies reicht aus, um etwa 30.000 Haushalte zu versorgen.
Die Windräder stehen auf der Abraumhalde des ehemaligen Braunkohlen-Tagebaus
Klettwitz. Diese Halde erhebt sich um etwa 50 m über die Umgebung,
die Räder sind an der Nabe 78 m hoch und reichen damit um fast 130 m über
die Umgebung in die Atmosphäre. Ein Flügel ist 32 m lang. Daher wird
der Wind von der Erdoberfläche und ihren Unregelmäßigkeiten
nur noch wenig gebremst, und nahezu seine volle Kraft kann ausgenutzt werden. |
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Dezember
Wind, Wolken, Meer
Foto: Helga
Grigoleit, Tokumaru Bay, Ostküste von Neuseelands
Nordinsel, 06 Uhr morgens
Große Ruhe, aber auch eine außerordentliche Weite strahlt
dieses Morgenfoto aus: Wie gemalt liegt eine Sandbank im vom Wind
nur wenig gekräuseltem Wasser. Nahezu unwirklich spiegeln sich
die Farben der Wolken im Wasser, die von der noch unter dem Horizont
stehenden Sonne beleuchtet sind. Großen Kontrast bringt ein
Streifen klar-blauen Himmels, der so blau nur in sehr sauberer Luft
ist. Deshalb kann man auch annehmen, dass das Wolkenband draußen über
dem Meer durchaus 100 (Einhundert) Kilometer entfernt ist. Gerne
möchte man in diesem Licht auf der Sandbank entlang der Küste
wandern... |
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