FACHAUSSCHUSS
Geschichte der Meteorologie

Jubiläen 2013

zusammengestellt von Michael Börngen und Cornelia Lüdecke.

Vor 425 Jahren (1588)

Im Sommer erlitt die spanische Armada im Kampf gegen die englische Flotte unter Führung von Francis Drake in der Nordsee aufgrund der für sie widrigen Windverhältnisse enorme Verluste. Drake machte sich den Wind zunutze und ließ brennende Schiffe mit Pulverladungen in die Armada treiben (Brockhaus Wetter und Klima 2009: 115).

Vor 400 Jahren (1613)

Am 29. Mai 1613 ereignete sich in Thüringen eine der größten Überschwemmungskatastrophen in historischer Zeit, die als “Thüringische Sintflut” bekannt wurde. Diesem Ereignis ist eine Tagung in Apolda gewidmet, siehe entsprechende Hinweise in den Rundbriefen. Siehe auch Hellmann, G. (1913): Die„Thüringische Sintflut“ vom Jahre 1613, In: Bericht über die Tätigkeit des Königlich Preußischen Meteorologischen Instituts, Berlin, Nr. 256, 21-57.

Mauritius (Moritz) Knau(e)r wurde am 14. März 1613 in Weismain (Franken) geboren (gest. am 9. November 1664 in Langheim
b. Bamberg). Er war Dr. der Theologie und Abt des Klosters Langheim b. Lichtenfels. Von 1652 bis 1659 stellte er regelmäßig Witterungsbeobachtungen an und notierte sie in seinem kalendarischen Handbuch, das die Grundlage des “Hundertjährigen Kalenders” wurde (vgl. vor 350 Jahren: Hellwig).

Vor 350 Jahren (1663)

Ludwig Christoph von Hellwig (Helvig, Helbig) wurde am 15. Juli 1663 in Kölleda (Thüringen) geboren (gest. am 27. Mai 1721 in Erfurt). Er war praktischer Arzt in mehreren Städten Thüringens, unter anderem auch in Tennstedt und seit 1712 in Erfurt. Hellwig erlangte Bekanntheit durch die verfälschte Herausgabe der Witterungsbeobachtungen des Abtes Mauritius Knauer (vgl. vor 400 Jahren: Knau(e)r), die er 1700 in einer ersten Ausgabe als hundertjährigen Kalender vermarktete.

Vor 225 Jahren (1788)

Der Mechaniker Johann Georg Greiner wurde am 6. August 1788 in Russhütte b. Neuhaus (Thüringen) geboren (gest. am 21. Juli 1860 in Berlin). Er lebte in Berlin und war Konstrukteur guter Heberbarometer und Thermometer für Psychrometer.

Vor 175 Jahren (1738)

Der Schweizer Mathematiker Daniel Bernouilli (1700-1782), tellte 1738 fest, dass die Fließgeschwindigkeit einer Flüssigkeit zunimmt, wenn der interne Druck abnimmt.

 

Vor 200 Jahren (1813)

1813 wurde die Klimastation in Jena. gegründet. Zum 200-jährigen Jubiläum dieser Station wird eine Tagung veranstaltet, siehe entsprechende Hinweise in den Rundbriefen.

Gottfried Erich Rosenthal (geb. am 13. Februar 1745 in Nordhausen) starb am 26. Mai 1813 in seinem Geburtsort. Obwohl er von Beruf eigentlich Bäcker war, befasste sich besonders mit der Verbesserung der meteorologischen Messtechnik. Sein Hauptwerk fasse “Beyträge zu der Verfertigung der wissenschaftlichen Kenntnis und dem Gebrauche meteorologischer Werkzeuge” (1782 und 1784) zusammen. Im Juli 1780 führte er – gemeinsam mit dem Erfurter Arzt Johann Jacob Planer (1743–1789, Beobachter im Rahmen der Societas Meteorologica Palatina) in mehreren Höhenlagen des Brockens barometrische Messungen durch.

 

Vor 175 Jahren (1838)

Karl Theodor Reye, deutscher Mathematiker, wurde am 20. Juni 1838 in Ritzebüttel (Cuxhaven) geboren (gest. am 2. Juli 1919 in Würzburg). 1861 in Göttingen zum Dr. phil. promoviert wurde er schrittweise Privatdozent (1863), Hilfslehrer (1864) und Professor (1867) der Mathematik am Polytechnikum zu Zürich, darauf Professor der Geometrie und Graphostatik am Polytechnikum zu Aachen (1870) und ab 1872 Professor der Mathematik an der Universität zu Straßburg. Sein Hauptarbeitsgebiet war die Anwendung der mechanischen Wärmetheorie auf atmosphärische Bewegungen.

Karl Weyprecht wurde am 8. September 1838 in Darmstadt geboren (gest. am 29. März 1881 in Michelstadt, Odenwalde). Er trat nach dem Besuch der Gewerbeschule in Darmstadt 1856 als Seekadett in die österreichische Marine ein, wurde 1861 Offizier und leitete mit Julius Payer (1842– 1915) die österreichisch-ungarische Nordpolarexpedition von 1872 bis 1874, deren wissenschaftliche Resultate hauptsächlich ihm zu verdanken sind. Weyprecht lebte nach der Rückkehr von der Expedition in Triest und in Wien. Er wurde mit dem Titel Dr. phil. h. c., geehrt und setzte sich energisch für gleichzeitige meteorologische und magnetische Beobachtungen in den Polarregionen ein, was zur erfolgreichen Organisation des ersten Internationalen Polarjahres (1882-1883) führte.

Heinrich Ludwig Rudolf Fuess wurde am 28. September 1838 in Moringen (Provinz Hannover) geboren (gest. am 21. November 1917 in Berlin). Fuess gründete 1865 seine Optisch-Feinmechanischen Werkstätten, ab 1892 mit Sitz in Berlin-Steglitz. In enger Zusammenarbeit mit den seinerzeit führenden Meteorologen wurde etwa ab 1877 die Entwicklung und Fertigung meteorologischer Geräte aufgenommen, die in aller Welt begehrt waren. Die Firma, die bis in die 1950er Jahre bestand, wurde nach dem Tod des Gründers von dessen Sohn Paul Fuess (1867–1944) weitergeführt.

Der amerikanische Astronom und Meteorologe Cleveland Abbe wurde am 3. Dezember 1838 in New York geboren (gest. am 28. Oktober 1916 in Chevy Chase, Maryland, a. Q.: Washington). Er publizierte “am 22. September 1869 die erste private  Wettervorhersage  für Cincinnati, die als Vorbild für den nationalen Wetterdienst diente, der im November 1870 seinen Betrieb aufnahm. 1871 wurde Abbe Chefmeteorologe der neuen Behörde und gab am 19. Februar 1871 die erste seiner […] 3-Tages-Vorhersagen heraus. Am 8. November folgte die erste Sturmwarnung. 1891 wurde der Wetterdienst in das U.S. Weather Bureau umgewandelt, wobei Abbe seine Position bis zu seinem Lebensende behielt:” (Brockhaus Wetter und Klima 2009: 9).

Vor 150 Jahren (1863)

1863 wurde das erste Netzwerk von meteorologischen Stationen in Frankreich durch eine Telegrafenleitung mit der Zentrale in Paris verbunden.

Der englische Wissenschaftler und Erfinder Francis Galton (1822-1911) entwickelte 1863 eine Methode zur Kartierung von Wettersystemen und prägte in diesem Zusammenhang den Begriff Antizyklone.

Im Dezember 1863 wurde durch Carl Christian Bruhns (1830–1881) im Königreich Sachsen ein meteorologisches Beobachtungsnetz eingerichtet.

Johann Christian Poggendorff (1796– 1877) gründete.1863 das Biographischliterarische Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften, das neben Kurzbiographien von Wissenschaftlern auch deren Veröffentlichungen auflistete. Bis zum Abbruch der weiterführenden Arbeiten im Jahr 2003 wurden insgesamt acht erweiterte und erneuerte Auflagen mit runde 29.000 Biographien herausgegeben.

Wilhelm Trabert wurde am 17. September 1863 in Frankenberg (Hessen) geboren (gest. am 24. Februar 1921 in Wien). Er war Professor für kosmische Physik und 1908 bis 1915 Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Wien, 1908). Trabert galt als guter Lehrer und verfasste mehrere Lehrbücher, z. B. ” Meteorologie und Klimatologie” (1905).

Vor 125 Jahren (1888)

1888 und 1993 ereigneten sich die vermutlich verheerendsten Blizzards der jüngeren amerikanischen Geschichte. „1888 fror u. a. der East River in New York zu, Manhattan war von bis zu 9 m hohen Schneewehen verschluckt; 400 Menschen kamen ums Leben” (Brockhaus, Wetter und Klima 2009: 48).

Im Jahr 1888 soll sich die größte bekannte Hagelkatastrophe ereignet haben. Auf die nordindische Stadt Moradabad gingen faustgroße Hagelkörner nieder und töteten 346 Menschen (Newson, Atlas der Naturkatastrophen 2001: 57)

Hermann Helmholtz (1821-1894) führte 1888 den Begriff potentielle Temperatur ein, der von ihm noch Wärmegehalt genannt wurde.

Adolf Albrecht Mühry (geb. am 4. September 1810 in Hannover) starb am 13. Juni 1888 in Göttingen. Als Privatgelehrter befasste er sich besonders mit Geografie, Meteorologie und Klimatologie (Bioklimatologie). Er veröffentlichte unter anderem die “Allgemeine geographische Meteorologie”; die 1880 in Leipzig herausgegeben wurde.

Der deutsche Physiker Rudolf Julius Eman Clausius (geb. am 2. Januar 1822 in Köslin, Pommern) starb am 24. August 1888 in Bonn. Er promovierte in Halle über optische Effekte in der Erdatmosphäre. Seit 1855 war er Professor der Physik an der ETH Zürich, von 1867 bis 1869 in Würzburg, danach in Bonn. Er leistete bedeutende Beiträge zur Entwicklung der mechanischen Wärmetheorie.

Sydney Chapman wurde am 29. Januar 1888 in Eccles bei Manchester geboren (gest. am 16. Juni 1970 in Boulder, USA). Er war Professor der Mathematik an den Universitäten Manchester und London und befasste sich u. a. mit der Zusammensetzung der höheren Atmosphärenschichten. Nach ihm wurde die Chapman-Schicht in der Ionosphäre genannt. Zu seinen Auszeichnungen zählt auch die Emil-WiechertMedaille der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft (1969).

Curt Weikinn wurde am 2. Mai 1888 in Berlin geboren (gest. am 27. Dezember 1966 in Berlin). Neben seinem Beruf als Bankbeamter sammelte er schriftliche Überlieferungen von Extremwetterereignissen wie Überschwemmungen, Dürren, strengen Wintern, heißen Sommern und anderen anormalen Witterungserscheinungen und verzeichnete diese, chronologisch geordnet, auf kleine Zettel. Deren Anzahl beträgt über 80.000. Durch Unterstützung von Hans Ertel (1904–1971) konnte er einen Teil seiner Sammlung in den Jahren 1958 bis 1963 veröffentlichen. Ein weiterer Abschnitt wurde posthum 2000 und 2002 publiziert. Derzeit laufen Bemühungen, auch den Rest der Weikinn’schen Sammlung  für  künftige  klimatologische Untersuchungen zur Verfügung zu stellen.

Alexandr Alexandrowitsch Friedmann (Fridman) wurde am 17. Juni 1888 in St. Petersburg geboren (gest. am 16. September 1925 in Leningrad). Er war seit 1921 Professor am Aerodynamischen Institut und in seinem letzten Lebensjahr 1925 Direktor des Geophysikalischen Zentralobservatoriums in Leningrad. Neben kosmologischen Forschungen (“Friedmann-Universum”) führte er, u. a. im Geophysikalischen Institut der Universität Leipzig (vgl. vor 100 Jahren) “Arbeiten über die Entstehung von Wirbeln in Flüssigkeiten sowie von vertikalen Strömungen und Turbulenzen in der Atmosphäre” (Lexikon der Naturwissenschaftler 1996: 157) aus. Er zählt dadurch zu den Mitbegründern der Turbulenztheorie.

Walter Georgii wurde am 12. August 1888 in Meiningen geboren (gest. am 24. Juli 1968 in München). Er “förderte die Entwicklung des motorlosen Fluges und die Flugmeteorologie. 1926 wurde er a.o. Professor für Flugmeteorologie in Darmstadt. Daneben leitete er das Forschungsinstitut der Röhn-Rositten-Gesellschaft (seit 1933 Deutsches Forschungsinstitut für Segelflug und seit 1937 Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug). Zum Wehrwirtschaftsführer ernannt wurde Georgii Obmann für Stratosphärenforschung an der Deutschen Akademie der Luftfahrtforschung. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam nahm er von 1948–1955 eine Professor in Mendoza (Argentinien) an. Als er nach Deutschland zurückgekehrt war, wurde er Leiter des Instituts für Flugforschung der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug in München (Brockhaus Wetter und Klima 2009: 111, Wikipedia).

Georg Heinrich Friedrich Stüve wurde am 8. September 1888 in Gadebusch (Mecklenburg) geboren (gest. am 21. Februar 1935). Er war zunächst im Aeronautischen Observatorium Lindenberg tätig und dann von 1924–1935 Leiter der Wetterdienststelle Frankfurt am Main. Die wissenschaftlichen Betätigungsfelder waren Thermodynamik und Dynamik der Atmosphäre. Sein Name verbindet sich mit dem Stüve-Dagramm, das für die Auswertung aerologischer Aufstiege benutzt wird (Abszisse für Temperatur in linearem Maßstab, Ordinate für Luftdruck in exponentiellem Maßstab).

Der norwegischer Ozeanograph Harald Ulrik Sverdrup wurde am 15. November 1888 in Sogndal (Norwegen) geboren (gest. am 21. August 1957 in Oslo). Sverdrup begann seine Tätigkeit am Geophysikalischen Institut in Leipzig (vgl. von 100 Jahren). Er war Teilnehmer der von Roald Amundsen (1872–1928) geleiteten MaudExpedition (1917–1925), welche die Nordostpassage nach als zweite bezwang. 1926 wurde er zum Professor an die Universität nach Bergen berufen und nahm in den Folgejahren noch an mehreren Expeditionen sowohl in die Arktis als auch in die Antarktis teil. Von 1936 an war er Direktor des Scripps Institute of Oceanography in Kalifornien. Während des Zweiten Weltkrieges dienten seine ozeanographischen Arbeiten der Absicherung der maritimen Aktionen der Alliierten. 1948 wurde er IN Oslo Direktor des Norwegischen Polarforschungsinstituts und 1949 Professor an der Universität. Nach Sverdrup wurde eine physikalische Einheit benannt, die den Fluss von ozeanischen Strömungen angibt.(1 Sverdrup = 1 Million Kubikmeter pro  Sekunde)  wie  auch  die  Sverdrup Mountains im Queen Maud Land und die Sverdrup Nunataks auf dem Plateau im Südosten des Palmerlandes in der Antarktis.

Johannes Georgi wurde am 14. Dezember 1888 in Frankfurt am Main geboren (gest. am 24. Mai 1972 in Hamburg). Der Meteorologe und Polarforscher war einer der ersten, die den Jetstream beobachteten: 1910 lernte er Alfred Wegener (1880– 1930) kennen und nahm an dessen Grönlandexpeditionen in den Jahren 1929 und 1930-1931 teil. Seine Erlebnisse hielt er in dem Buch “Im Eise vergraben. Erlebnisse auf Station Eismitte der letzten GrönlandExpedition Alfred Wegeners” (München 1933) fest. In mehreren erweiterten Auflagen trug er bis 1955 immer mehr Belege dafür zusammen, dass er nicht Schuld war an Wegeners letzter Schlittenreise, die zu dessen Tod führte.

Vor 100 Jahren (1913)

Am 1. Januar 1913 wurde das Geophysikalische Instituts der Universität Leipzig gegründet. Zum ersten Direktor wurde der Norweger Vilhelm Bjerknes (1862– 1951) ernannt, der hier wichtige Arbeiten zur Begründung der modernen Meteorologie ausführte. Mit der Schaffung des Geophysikalischen Observatoriums Collm auf dem gleichnamigen Berg bei Oschatz (1932) und des Maritimen Observatoriums Zingst an der Ostsee (1957) wurden nach der Atmosphäre auch die feste Erde und die Hydrosphäre ins Visier der Forschung genommen. Die Forschungsergebnisse wurden in den “Veröffentlichungen des Geophysikalischen Instituts der Universität Leipzig” niedergelegt. Infolge einer Hochschulreform wurde das Geophysikalische Institut 1971 aufgelöst. Die Traditionen werden heute vom Institut für Geophysik und Geologie und vom Institut für Meteorologie der Universität Leipzig fortgesetzt.

Der französiche Physiker Charles Fabry (1867-1945) entdeckte 1913 die Ozonschicht.

Ende Dezember 1913 ereignete sich an der südlichen Ostseeküste eine der verheerendsten Sturmfluten des 20. Jahrhunderts. Die Luftdruckgegensätze nach Skandinavien waren damals zwar relativ gering, jedoch verharrte das Sturmtief eine Zeit lang über dem Gebiet der unteren Weichsel (polnisch: Wisla). Damit stand den eher schwachen Wasserstandserhöhungen eine längere Wirkungsdauer gegenüber, so dass es in der betroffenen Region zu erheblichen Schäden kam. Dabei wurde u.a.eine Eisenbahnbrücke in Vorpommern zerstört.

Der französische Meteorologe LéonPhilippe Teisserenc de Bort (geb. am 5. November 1855 in Paris) starb am 2. Januar 1913 in Cannes. Er widmete sich besonders der Aerologie und entdeckte gleichzeitig mit Richard Aßmann (1845– 1918) die Stratosphäre. Nachdem er von 1892 bis 1896 das Verwaltungszentrum der Nationalen Meteorologie geleitet hatte, gründete er 1896 das private “Observatoire de Meteorologie dynamique” in Trappes in der Nähe von Versailles, das er bis zu seinem Tod leitete.

Der deutsche Physiker Hermann Ebert (geb. am 20. Juni 1861 in Leipzig), der sich u. a. mit elektrische Erscheinungen in der Atmosphäre beschäftigte, starb am 12. Februar 1913 in München.

Der deutsche Physiker und Meteorologe Richard Leopold Börnstein (geb. am 9. Januar 1852 in Königsberg, Ostpreußen) starb am 13. Mai 1913 in Berlin. Er war an der Königlich Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin tätig und von 1908 bis 1910 auch als deren Rektor. Sein Hauptinteresse galt der Meteorologie, was in seinem Leitfaden der Wetterkunde zum Ausdruck kommt, den er 1913 in einer dritten umgearbeiteten und vermehrten Auflage herausgab. 1884 gründete Börnstein das Berliner Wetterbüro und nahm für luftelektrische Beobachtungen am Freiballonfahrten teil. Bekannt ist Börnsteins Name vor allem durch die gemeinsam mit Hans Landolt (1831–1910) herausgegebenen physikalisch-chemischen Tabellen, die erstmals 1883 erschienen und bis heute fortgeführt werden.

Helmuth Brezowsky wurde am 2. Juni 1913 in Frankfurt am Main geboren (infolge eines Autounfalls gest. am 28. März 1969 bei Isny). Zusammen mit Paul Hess (1911–1983) schuf er den 1881 beginnenden Katalog der Großwetterlagen Europas. Es wurden 29 verschiedene Großwetterlagen unterschieden, die sich zu zehn Großwettertypen zusammenfassen lassen. Der Katalog wird seitdem fortgeführt.

Vor 75 Jahren (1938)

Hans Ertels (1904–1971) Buch “Methoden und Probleme der dynamischen Meteorologie” erschien 1938 bei Springer in BerIin. Mit dieser und der ein Jahr später veröffentlichten Publikation “Die theoretischen Grundlagen der Meteorologie” umriss Ertel, „das theoretische Gebäude der Meteorologie“, wie es Wilfried Schröder (1941–2011) ausdrückte.

Unter Leitung von Willard Floyd McDonald gab das U.S. Weather Bureau 1938 den “Atlas of climatic charts of the oceans” heraus. Die auf Schiffsbeobachtungen beruhenden 130 Karten enthalten neben Angaben zu Luftund Wassertemperaturen Daten zu den Windverhältnissen, zur Bewölkung und zu anderen Klimaelementen.

Walter Wundt (1883–1967) veröffentlichte in seiner Schrift “Das Bild des Wasserkreislaufs auf Grund früherer und neuerer Forschungen” (erschienen 1938 in den Berichten und Mitteilungen der 6. Baltischen Hydrologischen Konferenz Lübeck und Berlin, hrsg. von der Landesanstalt für Gewässerkunde und Hauptnivellements in Berlin) erstmals eine zusammenfassende Darstellung des Wasserkreislaufes auf der Erde.

Julius Maximilian Maurer (geb. am 14. Juli 1857 in Freiburg/Breisgau) starb am Januar 1938 in Zürich. Er war vom Gründungsjahr 1881 bis 1934 Mitarbeiter der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt in Zürich (heute MeteoSchweiz bzw. MétéoSuisse oder MeteoSvizzera), zunächst als Adjunkt und ab 1905 als Direktor. Seine Hauptarbeitsgebiete waren Wettervorhersage (auch für die sich entwickelnde Luftfahrt), Klimatologie der Schweiz und Strahlungsforschung. Zu seinem 80. Geburtstag erschien eine von Victor Conrad (1876–1962) besorgte Festschrift innerhalb “Gerlands Beiträgen zur Geophysik”.

Hugo Hergesell (geb. am 29. Mai 1859 in Bromberg, heute poln. Bydgoszcz) starb am 6. Juni 1938 in Berlin. Hergesell studierte in Straßburg, u.a. bei Georg Gerland (1833–1919). Nach seiner Promotion 1887 wurde er mit der Errichtung eines meteorologischen Dienstes im damals zum Deutschen Reich gehörenden Elsaß-Lothringen beauftragt, den er ab 1891 als Direktor leitete. Überzeugt von der Bedeutung meteorologischer Daten aus höheren Luftschichten regte er 1896 die regelmäßige Durchführung internationaler simultaner Ballonaufstiege an. Er gilt als Mitschöpfer der Aerologie. 1914 wurde er in Nachfolge von Richard Aßmann (1845–1918) Leiter des Aeronautischen Observatoriums in Lindenberg bei Beeskow.

Der amerikanischer Meteorologe Willis Ray Gregg (geb. am 4. Januar 1880 bei Phoenix, New York) starb am 14. September 1938. Seit 1904 war er Mitarbeiter des S. Weather Bureau in Silver Springs, Maryland, zuletzt als Chef der Behörde. Hervorzuheben sind seine beiden Werke über “Aerological Survey of the United States” (1922 und 1926) und “Aeronautical Meteorology”, 1925 (2. Aufl. 1930).

Vor 50 Jahren (1963)

Das erste barokline hemisphärische Prognosemodell wurde 1963 in Dienst gestellt.

1963 werden erste Schritte zur Schaffung des World Weather Watch unternommen. Vor 25 Jahren (1988)

Der am am 8. September 1988 bei den Kleinen  Antillen  entstandene  Hurrikan Gilbert richtete enorme Schäden in der Karibik und im Golf von Mexiko an.

Die United Nations (UN) beschließen 1988 die Schaffung des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), einem “Gremium, das in drei Arbeitsgruppen (Wissenschaft, Auswirkungen von Klimaänderungen, Vorbeugende Maßnahmen) und einer Spezialgruppe für Nationale Bestandsaufnahmen der Treibhausgase) Statusberichte und Empfehlungen zum Problemkreis der anthropogenen globalen Klimaänderungen erarbeitet (anlässlich von UN-Weltklimabzw. Umweltkonferenzen, in Zusammenarbeit mit dem United Nations Environment Programme (UNEP) und der World Meteorological Organization (WMO).(Brockhaus Wetter und Klima 2009: 152).