FACHAUSSCHUSS
Geschichte der Meteorologie

Jubiläen 2008

zusammengestellt von Bernd Stiller (Wettermuseum Lindenberg) mit kleinen Ergänzungen von Cornelia Lüdecke (München)

Vor 400 Jahren

Am 15. Oktober 1608 wurde in Faenza (Piancaldoli) Evangelista Torricelli geboren. Nach einer Ausbildung bei Vater Benedetto Castelli in Rom, einem Schüler Galileis, wurde Torricelli in Arcetri Gallileos Gehilfe. Drei Monate später starb Galilei und Großherzog Ferdinand II. ernannte Torricelli zum Nachfolger Galileis als Hofmathematiker in Florenz. Torricelli war ein guter Mathematiker aber seine größte Leistung bestand in der Entdeckung des Luftdrucks, zusammen mit Vincenzo Viviani (1622-1703). Ein Glasohr von zwei Ellen Länge, auf einer Seite offen, auf der anderen in einer Kugel endend, wurde mit Quecksilber gefüllt, am offenen Ende mit dem Daumen verschlossen, in eine mit Quecksilber gefüllte Schale umgestürzt und der Daumen weggezogen, worauf das Quecksilber in der Röhre auf einer bestimmten Höhe stehen blieb. Dadurch wurde der Luftdruck kompensiert. In der Folgezeit waren “Torricellisches Rohr”, “Torricellische Leere” und “Torricellisches Experiment” häufig gebrauchte Ausdrücke. Das Torricellische Rohr bekam den Namen Barometer. Torricelli beobachtete zeitliche Schwankungen der Länge der Quecksilbersäule und deutete sie als Variationen des Luftdrucks. Er wurde in die Academia del Cimento (Akademie des Experiments) berufen. Sie veranlaßte von 1654 – 1670 an verschiedenen Orten Europas meteorologische Beobachtungen. Torricelli starb am 25. Oktober 1647 im Alter von 39 Jahren in Florenz.

Vor 325 Jahren

Am 28. Februar 1683 wurde in La Rochelle René-Antoine Ferchault de Réaumur geboren. Der französische Physiker und Zoologe untersuchte die Wirkung von Wärme auf die Insektenentwicklung, künstliche Befruchtung und ähnliche Fragestellungen. 1730 führte Réaumur beim Thermometer die nach ihm genannte Réaumur-Skala ein. Bei ihm ist der Temperaturunterschied zwischen Schmelz- und Siedepunkt des Wassers (0 °C u. 100 °C) in 80 Gradanteile eingeteilt. 0 °C entsprechen 0 °R., 100 °C entsprechen 80 °R. Réaumur starb am 18. Oktober 1757 auf Schloß Bermondière bei Saint-Julien-du-Terroux.

Vor 275 Jahren

Am 13. Juni 1733 wurde der deutsche Meteorologe, Physiker und Sprachforscher Johann Jakob Hemmer in Horbach (Pfalz) geboren. Er veröffentlichte auch unter dem Pseudonym Jakob Domitor. Hemmer studierte zunächst in Köln Philosophie und Mathematik und später Katholische Theologie. Nach dem Studium wurde Hemmer Hauslehrer bei dem kurpfälzischen Kammerherren Franz Georg Freiherr von Sturmfeder, durch den Hemmer eine Stelle als Hofkaplan am Hof des Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor in Mannheim erlangte. 1767 wurde Hemmer Mitglied der von Karl Theodor ins Leben gerufenen Akademie der Wissenschaften, deren Physikalisches Kabinett Hemmer ab 1776 als Direktor leitete. Als Sekretär der Societas Meteorologica Palatina (1780-1795), auch Pfälzische Meteorologische Gesellschaft genannt, baute Hemmer ab 1780 ein Netzwerk von 39 Wetterstationen auf, das sich von Neuengland über Grönland und 14 Stationen in Deutschland bis zum Ural erstreckt. Um die Vergleichbarkeit der Daten zu gewähren, organisierte Hemmer das Beobachtungsnetz nach vier Gesichtspunkten, die den Grundlagen moderner Wetterbeobachtung entsprechen: Erstens wurden in allen Stationen die gleichen Messinstrumente benutzt, die vom Kurfürsten bezahlt und nach Hemmers Vorstellungen angefertigt wurden. Zweitens erstellte Hemmer eine einheitliche Beobachteranleitung und legte drittens einheitliche Beobachtungstermine, die Mannheimer Stunden (7 Uhr, 14 Uhr und 21 Uhr) fest. Viertens sorgt Hemmer für eine rasche Veröffentlichung der Daten, die er zentral in Mannheim sammelte. Nach Hemmers Tod am 3. Mai 1790 in Mannheim verfiel das Meßnetz:

Der am 23. Juni 1733 in Zürich gestorbene Schweizer Arzt und Naturgelehrte Johann Jacob Scheuchzer (geb. 2. August 1672 in Zürich) wurde zum Begründer der physischen Geographie der Hochgebirge und der Paläobotanik. Er war einer der bekanntesten Vertreter der Sintfluttheorie (Neptunist), die sich gegen die Vulkanismustheorie des Schotten James Hutton (1726-1797) stellte.

Vor 250 Jahren

Am 15. August 1758 starb Pierre Bouguer (geboren 1698 in Croisic/Bretagne) in Paris. 1735 wurde er zusammen mit Godin und La Condamine von der Académie des Sciences beauftragt ; in Peru (heute Ecuador) einen Meridiangrad zu messen. Er kehrte 1744 allein nach Paris zurück. Durch seine Untersuchungen über die Intensität des Lichtes wurde er einer der Begründer der Photometrie. 1748 erfand er das Heliometer. Die Meteorologie verdankt ihm Untersuchungen über die Absorption des Sonnenlichtes in der Atmosphäre, die Wärmekraft der Sonnenstrahlen, den Nebenregenbogen, die barometrische Höhenmessung und die Windmessung.

Der Benediktinermönch Placidus Heinrich wurde am 19 Oktober 1758 in Schierling/Bayern geboren. Schon früh unternahm er regelmäßige Wetterbeobachtungen und veröffentlichte 1817 der ersten Zeitungswetterbericht. Am 18. Januar 1825 starb er in Regensburg.

Vor 225 Jahren

Am 18. September 1783 starb Leonhard Euler in St. Petersburg. Der Schweizer Mathematiker (geb. 15. April 1707 in Basel) war 1730 –1741 an der Petersburger Akademie, 1741–1766 an der preußischen Akademie in Berlin und anschließend wieder in Petersburg tätig. Er arbeitete auf fast allen Gebieten der Mathematik und setzte sich besonders mit der damals neuen Infinitesimalrechnung auseinander. Daneben beschäftigte er sich mit Fragen der Mechanik, Technik, Optik uND Astronomie.

Vor 225 Jahren

Der Astronom Christian Mayer SJ (geb. 20. August 1719 in Mederitz/Brünn) starb am 16 Januar 1783 in Mannheim. Er hatte zusammen mit J.J. Hemmer das Meßnetz der Societas Meteorologica Palatina aufgebaut, wobei ihm sein persönliches weltweites Korrespondentennetzwerk sehr zugute kam.

Im Jahr 1783 erfanden die Gebrüder Jaques-Etienne und Joseph-Michel Montgolfier den Heißluftballon. Am 21. November 1783 startete der erste bemannte Heißluftballon unter den staunenden Augen König Ludwig des XVI. und Marie Antoinettes. Die Fahrt dauerte nur 25 Minuten. Das Feuer wurde mit Schafswolle, ölgetränkten Tüchern und Stroh geheizt und immer wieder mußten kleinere Brände an der Hülle gelöscht werden. Dennoch verliefen Flug und Landung problemlos und leiteten eine neue Epoche des technischen Fortschritts ein.

Im Jahr 1783 wurde ein ganzjähriger meteorologischen Datensatz gewonnen, der einige Jahrzehnte später von dem Mathematikprofessor Wilhelm Heinrich Brandes (1777-1834) der Universität Breslau ausgewertet wurde.

Brander hatte die Idee, die meteorologischen Messdaten von einem Termin eines Tages von mehreren Orten rückwirkend in eine Karte einzutragen. Er verwendete dazu die veröffentlichten Daten der Pfälzer Meteorologischen Gesellschaft für das Jahr 1783 aus „theils weil die ungewöhnlichen Ereignisse dieses Jahres die Aufmerksamkeit der Meteorologen rege machten, und wir daher mehr gesammelte Nachrichten über die Witterung einzelner Theile des Jahres besitzen, als es sonst der Fall ist, theils weil die damals in voller Thätigkeit wirksame Mannheimer meteorologische Gesellschaft nur für wenige Jahre so zahlreiche Beobachtungen geliefert hat, wie für dieses“. Das atmosphärische Geschehen des Jahres 1783 wurde von einem Vulkanausbruch auf Island beeinflußt, der den damals sogenannten „Hehrauch“ (Höhenrauch) verursachte und für die außergewöhnliche Hitze und andauernde Trockenheit im Sommer verantwortlich gemacht wurde, sowie für die Kälte und Schneereichtum im nachfolgenden Winter und für die europaweit auftretende gewaltige Überschwemmungen Ende Februar/Anfang März 1784.

Vor 200 Jahren

Französische Uhrmacher, Ingenieur und Erfinder Eugene Bourdon (gest. 1884) wurde am 8. April 1808 in Paris geboren. Nach seinem Studium weilte er von 1826 bis 1828 in Nürnberg um die deutsche Sprache zu erlernen. Ab 1830 arbeitete er in den Konstruktionsbüros von Optiker M. Jecker und M. Calla. Zur Messung des Kesseldrucks, der damals noch mit Quecksilber-Manometern aus Glas gemessen wurde, was eine äußerst empfindliche Angelegenheit war, suchte er eine Alternative und erfand die Bourdonfeder bzw. die Bourdon’schen Röhre, die er am 18. Juni 1849 in Paris zum Patent anmeldete und in Lizenz von Félix Richard produzieren ließ. Noch im gleichen Jahr erhielt er für seine Erfindung auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille. Auf der großen Londoner Ausstellung im Jahr 1851 wurde er zusammen mit seinem Konkurrenten Lucien Vidie mit der Council Medaille ausgezeichnet.

Vor 175 Jahren

Am 29 Januar 1833 wurde in Kassel der Geophysiker Georg Gerland geboren. Er gründete 1887 die Zeitschrift „Gerlands Beiträge zur Geophysik“, in der auch viele meteorologische Artikel aufgenommen wurden. Gerland starb am 16 Februar 1919 in Straßburg/Elsaß.

Am 17. Dezember 1833 wurde in Uster (Kanton Zürich) der Schweizer Meteorologe und Physiker Heinrich von Wild geboren. Wild 1858 eine Stelle als Professor für Physik und astronomischer Leiter in Bern. Er erweiterte das dortige Observatorium zur meteorologischen Zentralanstalt des Kantons Bern und legte damit die Grundlage für das umfassende Observationsnetz der Schweiz. Als Inspekteur für Justierungen führte er 1861-1867 eine Reform des alten Schweizer Maß- und Gewichtssystems durch und richtete ein Normaljustierungswerk ein, dessen Chef er wurde. 1868 wechselte er nach Rußland, wo er bis 1895 Leiter des physikalischen Zentralobservatoriums in St. Petersburg war und die Einrichtung eines meteorologischen und erdmagnetischen Meßnetzes im gesamten russischen Reich leitete. Dabei entstand auch ein neues Observatorium in Pawlowsk. Er führte die Reduktion der meteorologischen Werte anhand des Barometerstandes ein, womit die Beobachtungen in den verschiedenen Ländern vergleichbar wurden. Außerdem verbesserte er verschiedene Instrumente zur Beobachtung des Wetters und Erdmagnetismus. Daneben beschäftigte er sich mit Methoden zur Bestimmung des elektrischen Widerstandes. Wild war ab 1870 als Redakteur für die „Annalen des physikalischen Observatoriums für Russland“ und das „Neue Repertorium für Meteorologie“ für den Zeitraum 1869-94 zuständig, die beide von der Russischen Wissenschaftlichen Akademie herausgegeben wurden, deren Mitglied er war. Wild wurde 1870 als Mitglied in die internationale Meterkommission aufgenommen. Wie Karl Christian Bruhns und Karl Jelinek setzte sich Wild für die Einberufung mehrerer internationaler meteorologischer Kongresse ein, so 1873 in Wien und 1879 in Rom. Er starb am 5. September 1902 in Zürich.

Im Jahr 1833 führten Wilhelm Weber und Carl Friedrich Gauß in der Göttinger Innenstadt Versuche mit einem elektromagnetischen Telegrafen durch. Dabei gelang ihnen die erste telegrafische Nachrichtenübertragung vom Physikgebäude bei der Paulinerkirche zur Sternwarte. Grundlage war die ein Jahr zuvor von Michael Faraday entdeckte elektromagnetische Induktion.

Vor 150 Jahren

Albrecht Penck wurde am 25. September 1858 in Berlin geboren. Er war Geograph und Geologe und verhalf der Eiszeittheorie zum Durchbruch. Er und sein Schüler Eduard Brückner erkannten im Gebiet der Alpen und in Süddeutschland geologische Spuren von vier Eiszeiten (Günz-, Mindel-, Riss-, Würm-Eiszeit) und drei dazwischen liegende Warmzeiten (Günz/Mindel-, Mindel/Riss-, Riss/Würm-Interglazial), die von ihnen nach deutschen Alpenflüssen benannt wurden. Diese Gliederung des Eiszeitalters wurde später von anderen Autoren übernommen. Penck, der zeitweise auch Vizepräsident der Österreichischen meteorologischen Gesellschaft war, starb am 7. März 1945 in Berlin.

Am 23. April 1858 wurde Max (Karl Ernst Ludwig) Planck in Kiel geboren. Plancks Hauptarbeitsgebiet war die theoretische Thermodynamik. Er berechnete 1900 die Strahlungsenergie des schwarzen Körpers und konnte die Energiedichte im schwarzen Körper bei einer bestimmten Strahlungsfrequenz und Temperatur angeben (Planck’sches Strahlungsgesetz). Zudem führte er eine universelle Naturkonstante, das Planck’sche Wirkungsquantum ein (Grundlage der Quantentheorie, dafür 1918 mit Nobelpreis ausgezeichnet) und lieferte auch Beiträge zur Relativitätstheorie. Er starb am 4. Oktober 1947 in Göttingen.

Vor 125 Jahren

Der Klimatologe Karl Knoch (gest. 8. Januar 1972 in Offenbach/Main) wurde am 29. Januar 1883 in Marburg a.d. Lahn geboren.

Am 31.3.1883 wurde Artur Wagner in Rann (Steiermark) geboren. Der österreichische Meteorologe (gestorben am 12.4.1942 in Innsbruck) überwinterte gemeinsam mit Georg Rempp (1882-1937) und zwei Assistenten von 1911-1912 auf dem Deutschen Observatorium in Adventbai (Spitzbergen). Im folgenden Jahr wurde das Observatorium nach Ebeltofthamna in die Crossbai verlegt, wo es bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges in Betrieb war. Spätere Überwinterer waren u.a. Kurt Wegener, Max Robitzsch, Dr. Hoffmann und Otto Stoll.

Erste Langfristprognose des erwarteten Eintrittstermins des indischen Monsuns durch Henry Francis Blanford (1834-1893).

Gründung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft am 18.11.1883 in den Räumen der Deutschen Seewarte in Hamburg. Erster Vorsitzender wurde Georg von Neumayer (1826-10ß0), Direktor der Deutschen Seewarte.

Am 31.8.1883 endete nach 13 Monaten das erste Internationale Polarjahr (1882/83) .

Vor 100 Jahren

Hellmut Philipp Berg, Gründer des Instituts für Meteorologie und Geophysik an der Universität Köln und ehemaliger Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft für Biometeorologie und Biometeorologie, wurde am 2 November 1908 in Bretten/Baden geboren. Er starb am 2 März 1950 während einer Studentenexkursion auf der Drehhütte in den Allgäuer Alpen nahe Schwangau.

Der Forstmeteorologie Ernst Ebermayer (geb. 2. November 1828 in Rehlingen Pappenheim) verstarb am 14 August 1908 in Winterell/Oberbayern. Von 1878 bis 1900 unterrichtete Meteorologie im Rahmen der forstlichen Ausbildung an der Staatswirtschaftlichen Fakultät der Ludwigs-Maximilians-Universität in München.

Am 25. August 1908 starb Antoine Henri Becquerel (geb.15. Dezember 1852 in Paris) in der Bretagne. Becquerel arbeitete nach seinem Ingenieurstudium als Dozent an der École Polytechnique und war als Chefingenieur für Brücken- und Straßenbau in der Ministerialabteilung tätig. Zu seinen frühen Entdeckungen zählt 1873 das Infrarotspektrum des Sonnenlichts. Später hat er, ungefähr zeitgleich mit Röntgens Entdeckung der X-Strahlen im Jahr 1896, die natürliche, radioaktive Strahlung des Urans entdeckt. In seinem Todesjahr 1908 wurde Becquerel Präsident der Académie des Sciences. Postum benannte man die Einheit der Aktivität radioaktiver Substanzen nach Becquerel (Bq).

Der österreichische Autor der ersten Lehrbuchs über Atmosphärische Optik Joseph Maria Pernter (geb. 15 März 1848 in Neumarkt/Tirol) verstarb am 20 Dezember 1908 in Arco/Tirol. Nach seiner Ernennung zum Professor für Kosmische Physik im Jahr 1892 richtete er das Meteorologische Observatorium der Universität Innsbruck ein. 1889 führte er auf dem Sonnblick erste Ausstrahlungsmessungen durch.

Vor 75 Jahren

Am 31.8.1933 endete nach 13 Monaten das zweite Internationale Polarjahr (1932/33).

Am 15. September 1933 verstarb Hugo Dominik (geb. 25 Oktober 1871 in Berlin) in Hamburg, der von 1926 bis zu seinem Tod Präsident der Deutschen Seewarte war.

Vor 50 Jahren

Am 12. Dezember 1958 starb der am 28. Mai 1879 in Dali /Kroation geborene serbische Astrophysiker und Mathematiker Milutin Milankovic in Belgrad. Er erlangte 1920 durch die Berechnung der Milankovic-Zyklen in der Paläoklimatologie große Bekanntheit.1904 promovierte Milankovic in den technischen Wissenschaften an der Technischen Hochschule in Wien. Im Jahr 1909 wurde ihm der Lehrstuhl für angewandte Mathematik an der Universität Belgrad angeboten. Hier wendete er sich verstärkt der astronomisch-mathematischen Grundlagenforschung zu. Die „Mathematische Theorie der thermischen Phänomene verursacht durch Solarstrahlung“ veröffentlichte er 1920 erstmals in französischer Sprache. Durch die Aufnahme von Milankovics Solarstrahlungskurve in das Werk „Die Klimate der geologischen Vorzeit“ (1924) der international renommierten Meteorologen Wladimir Köppen und Alfred Wegener wurde Milankovics Theorie weltweit bekannt. Milankovic versuchte mit seiner Theorie eine Verbindung zwischen dem Strahlungshaushalt der Erde und den in der Vergangenheit aufgetretenen Eiszeiten herzustellen. Der Strahlungshaushalt wird unter anderem durch geringfügige Änderungen der Präzession der Rotationsachse, der Neigung der Erdachse (Schiefe der Ekliptik) und der Exzentrizität der Erdbahn beeinflußt. Der mögliche Einfluß dieser drei orbitalen Zyklen und ihr periodisches Auftreten werden noch heute als Milankovic-Zyklen bezeichnet. Die von Milankovic aufgestellte Theorie, daß Unterschiede im Strahlungshaushalt der Erde, die durch veränderliche Bahnparameter hervorgerufen werden, als alleinige Begründung für die Eiszeiten herangezogen werden können, haben sich jedoch als nicht richtig erwiesen. Unbestritten ist zumindest, dass die Unterschiede im Strahlungshaushalt der Erde einen maßgebenden Einfluss auf das Klima haben.

Am 4. November 1958 starb Sir Gilbert Walker , britischer Meteorologe, Physiker und Statistiker, im Alter von 90 Jahren (geb. 14.6.1868 in Rochdale/Lancashire). Er ist bekannt geworden für seine Beschreibung des El Niño. Als Professor für Elektrodynamik an der Universität Cambridge schloss er sich 1903 dem British Foreign Service an und wurde in Indien eingesetzt, wo er schnell zum Leiter des meteorologischen Dienstes aufstieg. Während seines dortigen Aufenthalts studierte er am Indischen Ozean die Charakteristik des Monsuns, dessen Ausfall 1899 eine schwere Hungersnot verursachte. Nach der Analyse riesiger Wetterdatenmengen aus Indien und anderer Länder über die nächsten 15 Jahre veröffentlichte er die erste Erklärung der Oszillationen des Luftdruckes und seine Korrelation mit der Temperatur und den Regenmengen in den tropischen Gebieten der Erde. Walker setzte seine Forschungen auch nach seinem Renteneintritt fort und wurde Professor für Meteorologie am Imperial College London. Mit seinem ursprünglichen Ziel – der Vorhersage des Monsuns – hatte er nur leidlichen Erfolg, allerdings haben seine Studien die Meteorologie vorangebracht.

Im Sommer des Jahres 1958 begann das US Weather Bureau mit der Bildfunk-(Faksimile-) Übertragung von Höhenwterkarten , die mit Hilfe eines nicht-geostrophischen, barotropen Modells ein bis drei Tage im voraus für die gesamte Nordhalbkugel der Erde berechnet werden. Mit entsprechender Empfangstechnik konnte jeder nationale Wetterdienst diese Informationen beziehen und verwerten.

Nach 18 Monaten endete am 31. Dezember 1958 das Internationale Geophysikalische Jahr (1957/58 ), das heute als drittes Internationales Polarjahr gezählt wird. Es wurde als Internationale Geophysikalische Kooperation bis 31. Dezember 1959 um ein Jahr verlängert.

Vor 25 Jahren

Am 1. Januar 1983 starb in Frankfurt a. Main der deutsche Meteorologe Paul Hess (geb. 12. August 1911 in Metz). Er arbeitete u. a. zur “Langfristvorhersage”, weithin bekannt auch durch den Katalog der Großwetterlagen Europas, der er gemeinsam mit Helmuth Brezowsky herausgegeben hatte.

Am 21.3.1983 starb Fritz Möller in München. Der am 16. Mai 1906 in Rudolstadt/Thüringen geborene Möller war ein Pionier der Strahlungsforschung und Satellitenmeteorologie. Er gründete zusammen mit Gustav Stüve und Ratje Mügge die „Frankfurter Schule“ der Synoptik und leitete von 1960 bis 1972 in Personalunion das Meteorologische Institut sowie das Institut für Meteorologie und Klimatologie an der Universität in München. In den 1970er Jahren wurde er allen westdeutschen Meteorologiestudenten durch seine Taschenbücher „Einführung in die Meteorologie. Physik der Atmosphäre Bd.1 und 2“ bekannt.

Eine der wenigen Meteorologinnen der Nachkriegszeit, Gisela Tangermann-Dlugi (geb. am 21.8.1951 in Helstedt), verstarb am 16. Juni 1983 in Karsruhe. Sie hatte in der Numerik gearbeitet.