FACHAUSSCHUSS
Geschichte der Meteorologie

Jubiläen 2006

zusammengestellt von Bernd Stiller (Langewahl)

Vor 475 Jahren (1531)

Am 16.02.1531starb in Blaubeuren der Tübinger Professor für Mathematik und Astrometeorologe Johannes Stöffler (geboren 1451 in Schwaben), der durch die Herausgabe seiner astronomischen Ephemeriden für die Jahre 1499 bis 1531 und der Vorhersage, daß sich im Februar 1524 alle damals bekannten Planeten im Sternbild des Wassermanns befinden würden, in den Gelehrtenkreisen Europas bekannt wurde. Die besondere Planeten­konstellation wurde als kommende Sintflut gedeutet, die bekanntermaßen nicht ein­traf, aber die nichtinstrumentelle Wetterbeobachtung in großem Maße förderte.

Vor 300 Jahren (1706)

Am 17. Januar 1706 wurde in Boston Benjamin Franklin geboren (gestorben 17. April 1790 in Philadelphia). Er wird bezeichnet als Politiker, Verleger, Beamter im Dienste der englischen Krone, Schriftsteller, Naturwissenschaftler, Erfinder, Naturphilosoph und Freimaurer. Franklin gilt als der Erfinder des Blitzableiters.

Am 12. Mai 1706 findet in Deutschland die letzte totale Sonnenfinsternis vor 1999 statt. Sie ist in der Schweiz sowie in der heutigen Bundesrepublik Deutschland südöstlich der Linie Freiburg im Breisgau, Würzburg, Leipzig, Frankfurt/Oder zu sehen.

Vor 250 Jahren (1756)

Im Jahr 1756 beobachtet der Schweizer Kaufmann, Geologe und Meteorologe Jean André Delucs (1727 bis 1817), das “Feuer, welches die Dämpfe offenbaren, wenn sie sich zersetzen”. Damit entdeckte er die Schmelzwärme des Eises einige Jahre vor dem Chemiker Joseph Black, aber jener wurde damit bekannt, da er den Namen “latente Wärme” hierfür prägt.e Black entdeckte 1761, daß Eis beim Schmelzen Wärme absorbiert, ohne seine Temperatur zu ändern, daraus schloß er, daß die Wärme sich mit Eisteilchen kombiniert hatte und “latent” geworden war.

Vor 225 Jahren (1781)

Henry Cavendish (1731-1810) mißt die Zusammensetzung der Luft als 79,16% Stickstoff und 20,84% Sauerstoff.

Am 21. Juni 1781 wurde in Pithiviers (Dep. Loiret) Siméon-Denis Poisson geboren. Der französische Physiker und Mathematiker arbeitete über Akustik, Elastizität und Wärme sowie über die elektrischen Eigenschaften von festen Körpern. 1812 publiziert er seine Erweiterung der Laplaceschen Gleichung um die Oberflächenla­dung. 1838 veröffentlichte er seine Wahrscheinlichkeitstheorie, die auch die Poisson-Verteilung enthält.

Die Beziehung zwischen Druck p und Volumen V bei adiabatischer Zustands­änderung ging als Poissonsches Gesetz in die Physik ein und iin der Thermodynami als Poisson’sche Gleichungen. Er starb am 25. April 1840 in Paris.

Beginn einer langen fast lückenlosen Meßreihe auf dem Hohen Peißenberg: Nach ersten Beobachtungen in den Jahren 1758/59 begannen am 1. Januar 1781 in dem 1619 errichteten Priester­wohnhaus die bis heute weitergeführten meteorologischen Beobachtungen im Rahmen des Stationsnetzes der Societas Meteorologica Palatina, einer vom Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz geförderten Einrichtung. Ihr Beobachtungsnetz umfaßte mit insgesamt 39 Stationen ein Gebiet, das vom Ural bis Nordamerika und von Grönland bis in den Mittelmeerraum reichte. Die Peißenberger Beobachtungen wurden von den Augustiner Chorherren des nahe gelegenen Klosters Rottenbuch in ihrer Niederlassung auf dem Hohenpeißenberg durchgeführt. Das “Palatina-Netz” hatte bereits einheitliche Beobachtungsanleitungen und Geräteausrüstungen.

Zur selben Zeit begann die Datensamm­lung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München (1781-1789), deren meteorologisches Meßnetz mit insgesamt 21 Stationen zur Untersuchung von lokalen Phänomenen wie dem Niederschlag eingerichtet wurde.

Vor 200 Jahren (1806)

Am 14. Januar 1806 wurde in Spottsylvania, Virginia, Matthew Fontaine Maury geboren (er starb am 1. Februar 1873 in Lexington). Maury war ein US-amerikanischer Marineoffizier und Hydrograph bzw. Ozeanograph. Nach seiner Ausbildung diente er bis 1839 als Seeoffzier in der US-Navy. Im Jahr 1842 wurde Maury Direktor des Archivs der Seekarten und 1844 des Nautischen Observatoriums in Washington, D.C. 1845 veröffentliche er erste Wind- und Strömungskarten. Auf seinen Vorschlag hin wurde ab 1847 mit meteorologischen Beobachtungen auf Schiffen begonnen.

Nachdem sich zum Ende des 18. Jahrhun­derts die einzelnen Disziplinen der Natur­wissenschaften herausgebildet hatten, wurden auch die ersten fachspezifischen Lehrbücher geschrieben. Hierzu gehört Lampadius’ Atmosphärologie von 1806 (Lampadius, W. A. Systematischer Grundriß der Atmosphärologie. Freiberg 1806. Mit gest. Titelvign. 1 Bl., XVI, 392 S.).

Francis Beaufort (1774-1857) entwickelte 1806 eine 12-teilige Skala zur Angabe der Windstärke.

Vor 175 Jahren (1831)

Im Jahr 1831 starb Jean Fortin, französischer Mechaniker (geb. 1750), bekannt u. a. durch das Fortin-Barometer.

Im Zeitraum 1831/32 erscheint das “Lehrbuch der Meteorologie” von Ludwig Fried­rich Kämtz, Professor für Physik an der Universität Halle. Er widmet sein Werk Alexander von Humboldt und Leopold von Buch, “den Begründern einer wissenschaftlichen, auf Erfahrung gegründeten Meteorologie”. Kämtzs Lehrbuch befaßt sich noch fast ausschließlich mit der Berechnung genauerer Mittelwerte.

1831 erscheint auch das heute weniger bekannte Werk “Grundsätze der Meteorologie” von Professor Gustav Schübler (Grundsätze der Meteorologie in näherer Beziehung auf Deutschlands Clima: mit 8 Kupfertafeln, e. vergleichenden Thermometer-Scale u. mehreren Tab.).

Vor 150 Jahren (1856)

Der am 23.04.1856 in Brody (Ukraine) geborene Max Margules wirkte von 1885 bis 1906 an der Zentralanstalt für Meteorologie. Ab 1906 war der österreichische Meteorologe Privatgelehrter. Er beschäftigte sich vor allem mit den atmosphäri­schen Gezeiten und stellte eine Theorie zur Polarfront und über Luftdruckwellen auf. Margules starb am 4.10.1920 in Perchtoldsdorf (Niederösterreich).

1856 entdeckte Buys-Ballot (1821-1885), der spätere Leiter des Königlich Niederländischen Meteorologischen Instituts, die nach ihm benannte Beziehung zwischen Luftdruck und Wind, die er zunächst für Holland nachwies, deren Allgemeingültigkeit sich aber nach und nach.

William Ferrel (1817-1891) untersucht die Wirkungen verschiedener physikalischer Kräfte bei der Wind- und Sturmentstehung und wendet als erster die strengen Metho­den der mathematischen Analyse auf meteorologische Probleme an. Diese Arbeit (“An essay on the winds and cur­rents of the ocean”, 1856) bleibt allerdings weitgehend unbekannt.

Vor 125 Jahren (1881)

Am 22.11.1881 wird Heinrich von Ficker in München geboren. Der Meteorologe und Geophysiker entwickelt sich zu einem der bedeutendsten synoptischen Meteorolo­gen Österreichs. Zu seinen wissenschaftliche Leistungen gehören Arbeiten zur Dynamik des Föhns (Innsbrucker Föhnstudien 1906, 1910) und hervorragende synoptische Analysen. Dank Fickers besaß die österreichische Meteorologenschule bereits ungefähr 10 Jahre vor der norwegischen Polarfronttheorie eine ziemlich klare Vorstellung über Zyklonen mit den dazugehörigen Temperaturverteilungen bzw. Strömungsmustern. H. v. Ficker geht über die Polarfronttheorie, die sich auf die niedrigen Schichten der Troposphäre beschränkt, hinaus. Im Zusammenhang mit den Analysen von Drucksteig- und -fallgebieten über Russland und im Alpengebiet entsteht die Vorstellung über den Einfluss der stratosphärischen Druckschwankungen auf das Wettergeschehen. Er stirbt am 29.4.1957 in Wien.

Tódor Kármán (gestorben 1963), amerikanischer Physiker und Aerodynamiker ungarischer Herkunft wurde am 11. Mai 1881 geboren. Einige Biographien bezeichnen ihn auch als Mathematiker, Physiker und weltberühmten Flugtechniker. Er erhielt 1902 ein Diplom an der Technischen Universität Budapest und war dort von 1903 bis 1906 tätig. Er studierte spätere in Göttingen angewandte Mechanik, arbeitete am Zeppelin-Plan in Paris und war von 1912-1929 Professor des Aerodynamischen Instituts in Aachen. 1930 wurde er Mathematikprofessor und Direktor des Guggenheim Aeronautical Laboratory in Pasadena/Kalifornien. Er verfaßte dort grundlegende Arbeiten über Turbulenz und Grenzschichtverhalten, die im Flugzeugbau genutzt werden und entwickelte die Raketentechnik.

Am 25. Juli 1881 starb der Astronom Carl Christian Bruhns in Leipzig (geboren am 23. November 1830 in Plön; Holstein). 1872 hatte Bruhns entscheidenden Anteil an der beginnenden internationalen Koordinierung der meteorologischen For­schung im Rahmen der Leipziger Meteorologenversammlung.

Vor 100 Jahren (1906)

Am 27. Februar 1906 starb in Aiken, South Carolina, der amerikanische Astrophysiker und Flugpionier Samuel Pierpont Langley (geboren am 22. August 1834 in Roxbury, Massachusetts). Er war zwischen 1866 und 1887 Professor für Physik und Astronomie an der Western University of Pennsylvania. Hier untersuchte Langley den Infrarotanteil der Solarstrahlung im Sonnenspektrum. Er gründete 1890 das Smithsonian Astrophysical Observatory und wandte sich dann Arbeiten auf dem Gebiet der Aerodynamik zu.

Am 13. 5.1906 wurde der Strahlungsphysiker, Bioklimatologe, Meteorologe und Aerologe Rudolf Hermann Schulze (gest. 16.7.1974 Hamburg) in Mügeln bei Dresden geboren.

Am 16.5. 1906 wurde Fritz Möller geboren in Rudolstadt/Thüringen. Er wurde ein Pionier der Strahlungsforschung und Satellitenmeteorologie. Er gründete zusammen mit Gustav Stüve und Ratje Mügge die „Frankfurter Schule“ der Synoptik und leitete von 1960 bis 1972 das Meteorologische Institut sowie das Institut für Meteorologie und Klimatologie an der Universität in München. Er starb am 21.3. 1983 in München.

Im April 1906 gelingt Alfred Wegener (1880-1930), zu dieser Zeit technischer Assistent am Aeronautischen Observatorium in Lindenberg, zusammen mit seinem Bruder Kurt ein 52stündiger Rekordflug mit einem Freiballon. Im Juni 1906 bricht er von Kopenhagen aus zur ersten Grönlandexpedition (19016-08) mit dem dänischen Polarforscher Ludvig Mylius-Erichsen (1872-1907) auf. Ziel der Expedition war die kartographische Aufnahme der Nordostküste. Wegener war der einzige Deutsche unter 28 Teilnehmern. Mit Drachen und Fesselballons, die bis in 3000 m Höhe aufstiegen, machte er die ersten aerologischen Messungen im Polargebiet.

Am 5. September 1906 nahm sich der österreichische Physiker Ludwig Boltz­mann (geboren 20. 2. 1844 in Wien) in Triest (Italien) das Leben. Er war einer bedeutendsten österreichischen Physiker. Er wirkte als Universitätsprofessor in Graz, Leipzig und Wien. Boltzmann bestätigte damit 15 Jahre vor Heinrich Hertz (1857-1894) experimentell die maxwellsche elektromagnetische Lichttheorie und begründete das von Josef Stefan (1835-1893) gefundene Strahlungsgesetz. Er klärte mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung den

Zusammenhang zwischen Thermodyna­mik und Mechanik und wendete als Erster die Gesetze der Statistik auf Gasmoleküle an.

Vor 75 Jahren (1931)

Am 9. Mai 1931 starb de Physiker Albert Abraham Michelson in Pasadena. Er wurde am 19. Dezember 1852 in Strelno (ehemals Deutschland jetzt Polen) geboren. Seine Eltern emigrierten, als ihr Sohn 4 Jahre alt war an die Westküste Nordamerikas. Nach Abschluß seines Studiums fuhr Michelson zunächst ein Jahr auf See; bevor er als Ausbilder für physikalische Wissenschaften an der Navel Academy angestellt wurde. Durch die Schriften von Leon Foucault und Armand Fizeau angeregt befaßte er sich mit der Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit und verbesserte das Ergebnis auf 299910 +/- 50 km /s. Für die Jahre 1880 -1882 erhielt Michelson von der Navel Academy die Erlaubnis für weiterführende Studien in Europa. So arbeitete er bei Helmholtz in Berlin, wo er das nach ihm benannte Michelson-Interferometer entwickelte. 1907 erhielt er den Nobelpreis für Physik.

Der amerikanische Charles Warren Thornthwaite (1899-1963) veröffentlichte 1931 ein neues System, um die Klimate zu klassifizieren.

Im Oktober 1931 tagt das Meteorologische Komitee in Locarno und beschließ wichtige Resolutionen zur Durchführung des 2. Internationalen Polarjahres (1932-1933).

Im Jahr 1931 gelingen Auguste Piccard (1884 bis 1962) aus seinem Stratosphärenballon die ersten Fotos von Wolkenverteilungen, die allerdings völlig verschleiert sind. Erst im Jahr darauf verhilft ein strenger Rotfilter zu besseren Aufnahmen.

Vor 50 Jahren (1956)

Arbeiten von Alan Brewer und Gordon Dobson (1889-1976) führen zu einem Modell der generellen Zirkulation in der Stratosphäre.

Norman Phillips realisiert die erste erfolg­reiche numerische Simulation der atmosphärischen Zirkulation.

Das Ziel des ersten Regionalprojekts der WMO ist 1956, im Rahmen des Caribean Hurricane Project, tropische Wirbelstürme zu erforschen.

Grundsteinlegung (3.5.1956) und Richtfest (21.9.1956) für das Gebäude der Zentrale des DWD in Offenbach/Main.

Vor 25 Jahren (1981)

Am 16.06.1981 stirbt der in San Francisco am 01.01.1917 geborene Jule Gregory Charney. Die Biographen bezeichnen den US-amerikanischen Meteorologen heute als einen der wichtigsten Atmosphärenforscher der drei Nachkriegsjahrzehnte. Charney entwickelte u. a. eine Gleichung, die Quasi-Geostrophic Vorticity Equation, um die großräumige Bewegung planeten­weiter Strömungen zu beschreiben. Die Theorie der planetaren Wellen von Carl-Gustaf Rossby (1898-1957) und Charney bildet eine Grundlage für unser heutiges Verständnis der allgemeinen Zirkulation und der Wettervorhersage.