Definition
Human-Biometeorologie ist die Wissenschaft von Wechselwirkungen jeglicher Art
zwischen atmosphärischen Prozessen und dem Menschen. Sie ist eine
interdisziplinäre Wissenschaft, prinzipiell jedoch ein Teilgebiet der
Angewandten Meteorologie.
Wirkungswege der atmosphärischen Umwelt
1. Atmung
Inkorporierung der Umgebungsluft mit ihren Eigenschaften bezügl. Wärme-,
Feuchte- und Schadstoffgehalt. Wichtigster Wirkungsweg für lufthygienischen
Wirkungskomplex!
2. Haut
Reizungen durch Schadstoffe, Allergien, Quellung durch hohe Feuchte, Strahlung,
Temperaturänderungen.
Wichtigster Wirkungsweg für thermischen Wirkungskomplex!
3. Sinne
a. Augen: Licht, sichtbare Luftbestandteile
b. Ohren: Schallausbreitung, Druckschwankungen
c. Nase: Gerüche, Luftfeuchte
d. Tastsinn: Wind
4. Ernährung
lnkorporierung der an Nahrung angelagerten Schadstoffe
Thermischer Wirkungskomplex
Der Thermische Wirkungskomplex umfasst alle Parameter, die sich auf den
Wärmehaushalt des Menschen auswirken. Dies sind die Lufttemperatur, die
Windgeschwindigkeit, die Luftfeuchte und die Strahlungsbedingungen. In der
Abbildung 1 sind alle relevanten Wärmeflüsse für Außenbedingungen
dargestellt.
Abb. 1: Wärmeaustausch des Menschen mit seiner Umgebung
(M=metabolische Rate, QRE=Atemwärmefluss, QL=Wasserdampfdiffusion, QH=konvektiver
Wärmefluss, QSW=Schweißverdunstung, EKM=Ausstrahlung des Körpers,
E=Wärmestrahlung der Umgebung, I=direkte Sonnenstrahlung, D=diffuse
Himmelstrahlung, A=atmosphärische Gegenstrahlung. R=kurzwellige
Reflexstrahlung)
Der Thermische Wirkungskomplex hat einen großen Einfluss auf das
Wohlbefinden (Behaglichkeit). Es gibt viele Studien die belegen, dass thermische
Belastungen (sowohl Hitze als auch Kälte) zu einem Anstieg der Todesfälle
führen (Abb. 2).
Abb. 2: Veränderungen der täglichen Todesfälle im Zeitraum einer Hitzewelle
in Baden-Württemberg
Aktinischer Wirkungskomplex
Zum Aktinischen Wirkungskomplex werden alle Strahlungswirkungen gerechnet, die
nicht rein thermischer Art sind. Die relevantesten nicht thermischen
Strahlungswirkungen beim Menschen sind jene des Lichts und der UV-Strahlung. In
der Abb. 3 sind Trends der UV-Strahlung, in Abb. 4 eine Modellierung der
UV-Bestrahlung des Körpers und in Abb. 5 ein Beispiel einer globalen
UV-Prognose dargestellt.
Abb. 3: Trends der UV-B Strahlung für die Monate April und August.
Abb. 4: Modellierung der UV-Bestrahlung des Körpers – Blick nach Norden,
12.6.2001, 13:30 Uhr, Zugspitze.
Abb. 5: Vorhersagekarte für die globale Verteilung des UV-Index am
28.2.2002.
Lufthygienischer Wirkungskomplex
Zum Lufthygienischen Wirkungskomplex werden alle Wirkungen durch
Luftbestandteile gerechnet. Besondere Bedeutung haben Partikel (Pollen und
Staub), Ozon und Stickstoffoxide. In der Abbildung 6 sind die für Allergiker
bedeutendsten Pollen dargestellt.
Abb. 6: Für Allergiker bedeutende Pollenarten
Wetterfühligkeit
Unter Wetterfühligkeit versteht man Befindlichkeitsverschlechterungen und
Symptome, die in engem Zusammenhang mit dem physikalischen oder chemischen
Zustand der Atmosphäre und deren Veränderungen (Wetteränderungen) stehen,
aber nicht durch die anderen Wirkungskomplexe zu erklären sind. Abb. 7 zeigt
die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zur Wetterfühligkeit.
Abb. 7: Repräsentative Wetterfühligkeitsumfrage (Januar 2001, n=1064); „Hat
das Wetter einen Einfluss auf ihre Gesundheit?“ (Höppe et al., DMW,1/2,
2002).
Verfasser der Seite:
Gerd Jendritzky
Deutscher Wetterdienst, Medizin-Meteorologie, Freiburg